Kaschrut

Fleisch und Blut

Seit der Sintflut ist es uns erlaubt, Tiere zu essen – doch nicht deren Seele

06.04.2017 – von Rabbiner Boris RonisRabbiner Boris Ronis

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Die jüdischen Speisegesetze sind für uns Juden, ehrlich gesagt, ein Mysterium. Wir lesen dazu in der Tora von Geboten und Verboten, doch wirklich schlau werden wir aus ihnen nicht. Wäre es nicht einfacher, sich den Gepflogenheiten der Welt anzupassen und so wie andere Völker alles zu essen und zu trinken? Leckereien wie Meeresfrüchte oder deutsche Spezialitäten wie der Pfälzer Saumagen sind laut Tora verboten. Eine Begründung hierfür sucht man lange – es gibt sie nicht wirklich.

Versuche, die Kaschrut mit nahöstlichen Hygienevorschriften der Antike zu begründen, scheitern genauso wie Versuche, sie mit einer gesünderen Lebensvorstellung zu verbinden. Das Motto »Gesund durch Kaschrut« lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.

Noachidische Gebote
Eine der Besonderheiten der Kaschrut ist der Verzehr von erlaubten Tieren. Dem Menschen ist es nach der Tora relativ spät erlaubt worden, Tiere zu essen. Erst nach der Sintflut gestattet Gott ihm, Fleisch zu essen. Allerdings erfahren wir in den sieben Noachidischen Geboten, dass wir kein Fleisch von lebenden Tieren essen dürfen, denn es ist verboten, gegenüber Tieren brutal zu sein (Sanhedrin 56a).

Den Rabbinen gelten die sieben Noachidischen Gebote als Grundlage für alle Menschen weltweit. Wer sie hält, gilt als Zaddik, als Gerechter, und wird einen Anteil an der kommenden Welt haben.

In der jüdischen Tradition gibt es aber noch weitere Einschränkungen wie das Verbot, Blut zu sich zu nehmen. Die Frage, wie wir ein Steak essen, stellt sich uns somit nicht. Denn blutig darf es auf keinen Fall sein, da es uns strikt verboten ist, Blut zu verzehren. Der bewusste Konsum von Blut, selbst in geringen Mengen, führt laut Tora zum »Karet«, einer von Gott persönlich ausgeführten Strafe: dem Ausschluss der Seele von der zukünftigen Welt.

Strafe Und so lesen wir mehrmals in der Tora, dass wir alles Blut von Tieren nicht essen dürfen, denn das Blut, heißt es da, ist die Seele, und die Seele dürfen wir nicht mit dem Fleisch verzehren.

Die Tora nennt unter anderem drei Stellen, die den Verzehr von Blut und Fleisch verbieten: »Jedoch Fleisch, worin das tierische Leben, nämlich das Blut, ist, sollt ihr nicht essen« (1. Buch Mose 9,4). »Und jeder aus dem Haus Israel und von den Fremden in eurer Mitte, der irgendwelches Blut isst – gegen die Blut essende Seele richte Ich mein Angesicht und lasse sie aus der Mitte des Volkes entwurzeln« (3. Buch Mose 17,10). »Nur bleibe fest, dass du nicht das Blut isst; denn das Blut ist die Seele. Und du sollst die Seele nicht mit dem Fleisch essen« (5. Buch Mose 12, 23).

Auch unsere Weisen haben sich über das Verbot des Blutverzehrs Gedanken gemacht. Maimonides, der Rambam (1135–1204), bringt in seinem Buch Führer der Unschlüssigen das Verbot des Blutverzehrs mit dem Götzendienst in Verbindung. Er schreibt, dass es bei manchen antiken Völkern Brauch war, Blut zu trinken, um damit eine Verbindung zu einem Dämon oder einer Gottheit herzustellen. Hinter solchem Blutgenuss steht die Vorstellung, man könne durch die Vereinigung mit übersinnlichen Mächten mehr über die eigene Zukunft erfahren.

Götzen Gott droht den Kindern Israel, diejenigen aus dem Volk auszutilgen, die Blut verzehren. Durch dieses strenge Vorgehen will Gott uns vom Götzendienst abhalten. Läuft diese Erklärung darauf hinaus, dass wir heute, da es keinen Götzendienst mehr gibt, durchaus ein blutiges Steak genießen dürften?

Genau darin bestand die Kritik von Nachmanides, des Ramban (1194–1270). Er schreibt, das Verbot des Blutverzehrs ist weder zeitlich noch örtlich begrenzt, sondern unbegrenzt gültig. Es ist eine Art erzieherische Maßnahme, damit wir nicht den Respekt vor dem Leben verlieren.

Aus Nachmanides’ Sicht ist in dem Verbot eine letzte Begrenzung des menschlichen Kompetenzbereichs zu sehen. Wir erinnern uns, dass Gott den ersten Menschen, Adam und Chawa, nur pflanzliche Nahrung erlaubte. Nach der Sintflut ist es den Menschen zwar erlaubt, Tiere zu essen, doch nicht deren Seele, denn sie ist göttlichen Ursprungs, und der Mensch darf sie sich nicht einverleiben und in Besitz nehmen.

Macht Rabbi Abraham Kook (1865–1935) sieht in dem Verbot, das Blut von Tieren zu sich zu nehmen, eine Art Ermahnung an den Menschen. Es liegt in der Macht des Menschen, zu zerstören und zu töten. Wenn wir Fleisch essen, rauben wir einem Tier sein Leben. Es scheint aber nach Kook wichtig zu sein, dass Menschen ihr Mitgefühl für das Leben bewahren und nicht zu Mördern werden, denen das gottgegebene Leben wertlos erscheint. Das Blutverbot ist für ihn also eine Art ethischer Standard, der uns davon abhalten soll, zu Bestien zu werden.

Die Natur des Menschen kann grausam sein. Oftmals ist sie es auch, besonders anderen Menschen und Tieren gegenüber. Umso wichtiger ist es, sich seiner Grausamkeit bewusst zu sein. Oft haben wir die Wahl, verschiedene Wege zu gehen. Leider entscheiden wir uns häufig für den Weg, der andere Lebewesen verletzt oder gar vernichtet.

Mit dem Verbot, Blut zu verzehren, setzt Gott dem Menschen eine Grenze. Sie zu überschreiten, bedeutet, zur Barbarei der alten und mörderischen Kulturen zurückzukehren. Das sollte es uns nicht wert sein.

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz.

Paraschat Zaw – Schabbat HaGadol

Der letzte Schabbat vor dem Pessachfest wird »Schabbat Hagadol«, der erhabene Schabbat, genannt. An diesem Schabbat bereitet man sich auf das bevorstehende Fest der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens vor. In der Toralesung am vergangenen Schabbat sind die fünf Arten von Opfern eingeführt worden. Im Wochenabschnitt Zaw werden sie nun näher erläutert: das Brand-, das Friedens-, das Sünden- und das Schuldopfer sowie verschiedene Arten von Speiseopfern. Dem folgen die Schilderungen, wie das Stiftszelt eröffnet und Aharon mit seinen Söhnen ins Priesteramt eingeführt wird.
3. Buch Mose 6,1 – 8,36

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»Please take a shower before you go swimming
and although after swimming.«
Ein Hotel in der Schweiz schreibt an »unsere jüdischen Gäste«, sie müssten
zweimal duschen, sonst: »I’m forced to cloes the swimming pool for you.«