Jugendzentrum Olam

Karlsruhe, wir kommen!

Zwei Schülerinnen fahren zum zweiten Mal zur Jewrovision und hoffen auf eine gute Platzierung

16.02.2017 – von Christine SchmittChristine Schmitt

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Es ist ein großes Hallo kurz vor 15 Uhr am Sonntag vor dem Jugendzentrum Olam in der Joachimstaler Straße in Charlottenburg: Einige Mädchen stehen schon vor dem Eingang und warten auf ihre Freundinnen. Sobald sie eintreffen, gibt es erst einmal Umarmungen und Freudenrufe. Auch ein paar Jungen gesellen sich dazu. Keine Frage, die Stimmung scheint gut zu sein an diesem Probentag, wenige Tage vor dem Auftritt bei der Jewrovision.

90 Jugendliche aus der Berliner Gemeinde fahren nach Karlsruhe: Erst treffen sie sich mit anderen Teams aus ganz Deutschland beim Mini-Machane, am Samstagabend jubeln sie ihrem Jugendzentrum beim großen Auftritt zu. 30 Berliner Kids werden beim größten jüdischen Gesangswettbewerb Europas ihr Bestes geben. Zwei von ihnen sind Celine und Aliya.

Die Aufregung um sie herum scheint an diesem Sonntag von ihnen abzuperlen. Beide wirken gelassen. »Wir können noch ruhig schlafen«, sagen die Freundinnen lachend unisono. Aber je näher der Samstag rückt, desto unruhiger würden sie dann schon werden, räumen sie ein.

song Dabei stehen die beiden Freundinnen nicht zum ersten Mal für das Berliner Jugendzentrum Olam bei der Jewrovision auf der Bühne. Auch im vergangenen Jahr waren sie als Sängerinnen und Tänzerinnen dabei. Allerdings haben sie den Auftritt, mit dem das Jugendzentrum auf einem der hinteren Plätze landete, nicht in allerbester Erinnerung. »Das war so peinlich, dass wir so schlecht abgeschnitten haben«, sagt Celine. Zu viele Patzer hätte es gegeben, einige Sänger hatten den Text vergessen oder falsch eingesetzt. »Das soll nicht noch einmal passieren«, hat sich die 13-Jährige fest vorgenommen. »Man lernt aus seinen Fehlern«, sagt sie bestimmt.

Die Castings, bei denen sich die beiden Teenager um einen Platz auf der Bühne bewarben, liegen mittlerweile drei Monate zurück. Wer sich bewährte, musste sich von da an auf einen musikintensiven Wochenplan einstellen. Waren es am Anfang noch zwei Termine pro Woche, so wurde in letzter Zeit nahezu jeden Tag geprobt.

Bevor es im November mit den Proben losging, konnten die Jugendlichen Vorschläge einreichen, aus denen die Madrichim dann den Text für den Song schrieben. »Was für ein Lied wir singen, ist noch geheim«, betont Celine. Da werde nichts verraten. Die Sänger feilten schließlich an Text und Musik, während die Tänzer Schritte und Choreografie einstudierten – bis sie alle gemeinsam proben konnten. Celine und Aliya finden, der Olam-Auftritt habe mittlerweile richtig gut Form angenommen.

machane »Ich finde es toll, dass ich bei den Proben andere Leute kennenlerne, die ich vorher noch nie gesehen habe«, meint Aliya. Alle würden »gut miteinander klarkommen«, freut sich die 14-Jährige.

Ihr Jewrovision-Fieber setzte vor gut zwei Jahren ein: Damals fuhren die beiden Mädchen zum ersten Mal zum Mini-Machane. »Das war supertoll«, schwärmen sie. An der Jewrovision nahmen sie zu diesem Zeitpunkt als Zuschauer teil. Allerdings waren sie so begeistert, dass sie daraufhin den Entschluss fassten, sich für die Teilnahme zu bewerben.

In diesem Jahr zählen Celine und Aliya schon zu den »älteren« Sängerinnen – die anderen Olam-Teilnehmer sind noch jünger. Insgesamt dreimal hat das Berliner Jugendzentrum bereits den Pokal geholt, zuletzt 2011. In der Rangliste führt derzeit das Jugendzentrum Jachad aus Köln mit vier Siegen.

tanz »Ein bisschen aufgeregt werde ich auf jeden Fall sein«, sagt Celine. Und ihre Freundin Aliya fügt hinzu: »Da steht man immerhin vor 2000 Menschen, und 2000 Leute gucken dich an, aber die Musik zieht dich mit.« Sie werden sich backstage auf ihre Berliner Gruppe konzentrieren, sagen die Mädchen. Und sie wollen sich untereinander beruhigen, versichern sie.

Genug Zeit werden sie allemal haben, denn das Berliner Jugendzentrum Olam wird als vorletzte Gruppe auf die Bühne gerufen. Die Reihenfolge hatte Ende Januar der Jewrovision-Moderator Shai Hoffmann ausgelost.

Beide Mädchen sind mit Tanz aufgewachsen, sie haben jahrelanges Balletttraining hinter sich. »Dort haben wir uns auch kennengelernt«, erzählt Aliya. Seitdem seien sie Freundinnen. Celine fing bereits mit zwei Jahren an zu tanzen, hat jetzt allerdings gerade aufgehört und mag sich lieber zu Hip-Hop-Rhythmen bewegen. »Früher dachte ich immer, dass ich Tänzerin werden will«, sagt sie. Aber Ballett sei nicht mehr ihr Stil. Außerdem singt sie in der Schulband und nimmt Gesangsunterricht.

leidenschaft »Ich singe sehr gerne«, beschreibt die Gymnasiastin ihre Jewrovision-Leidenschaft. Ganz oben auf ihrer Favoritenliste stehen Popmusik und hebräische Lieder. Aber außer für Musik interessiere sie sich auch für Modedesign – sie habe sogar schon ein paar Sachen genäht. »Ich habe Ideen. Mein Ziel ist es, später einmal kleine Läden groß rauszubringen«, sagt Celine.

Auch die 14-jährige Aliya trainiert seit zwölf Jahren regelmäßig an der Ballettstange. »Es ist wichtig für mich«, betont sie. Auch sie hatte Gesangsunterricht, würde es jetzt aber nicht mehr schaffen, da sie zu viel für die Schule lernen müsse. »Wenn ich einmal mehr Zeit habe, möchte ich wieder Unterricht nehmen«, sagt sie. Am liebsten mag Aliya Popmusik.

Doch Tänzerin sei nicht ihr Berufsziel, sie finde eher Jura spannend und könne sich gut vorstellen, später einmal Rechtsanwältin zu werden. Außer der Liebe zum Tanz teilen die beiden Mädchen ihre Abneigung gegen Mathematik: In der Schule mag Celine am liebsten Musik, Aliya Chemie und Geschichte.

generationen »Ich glaube, dass ich als Mutter viel aufgeregter bin als die Kinder«, sagt Aliyas Mutter Beatrice. Sie werde auf jeden Fall mit dabei sein und ihrer Tochter und dem ganzen Team die Daumen drücken. Auch Celines Mutter Melanie wird ihre Tochter begleiten, während Vater und Schwester sich den Auftritt per Livestream anschauen. »Ich bin im vergangen Jahr mitgefahren und war zutiefst beeindruckt«, bekennt Celines Mutter. Sie erinnert sich noch an ihre Jugend, als zu den Machanot »vielleicht 30 Kids« mitfuhren. »Und nun gibt es eine riesige jüdische Veranstaltung mitten in Deutschland – das hätte ich mir damals nicht vorstellen können«, sagt Melanie begeistert.

Aliya und Celine wollen diesmal unter die Top Ten kommen. »Ich habe mir auf Video die Auftritte der vergangenen Jahre angeschaut – das ist schon ein hohes Niveau«, meint Celine ein wenig nervös. So langsam rückt mit dem bevorstehenden Auftritt offenbar nun doch die Aufregung etwas näher.

Natürlich hoffen sie auf eine gute Platzierung. Vor allem aber wollen sie die Herausforderung meistern. Sie würden es wieder tun und auch jedem raten, dabei zu sein, meinen die Mädchen. »Es bringt so viel Spaß«, sind sie sich einig. Außerdem sammeln sie Bühnenerfahrung – auch das bedeutet ihnen viel. »Ich werde positiv denken: Wir schaffen das«, sagt Aliya entschlossen. Mit diesen Worten winken sie den anderen Olam-Teilnehmern zu, die mittlerweile eingetroffen sind, und folgen ihnen Richtung Probenraum.

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