Dizengoff-Platz

Alles auf Anfang

Das berühmte Tel Aviver Wahrzeichen wird in seinen alten Zustand zurückversetzt

05.01.2017 – von Sabine BrandesSabine Brandes

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Er speit kein Feuer und Wasser mehr. Zumindest vorübergehend wurde das Wahrzeichen Tel Avivs in seine Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt. Der berühmte Brunnen des Künstlers Yaacov Agam wird in der Zukunft eine Etage tiefer wieder aufgebaut. Denn der Dizengoff-Platz, auf dem das Kunstwerk jahrzehntelang stand, wird derzeit restauriert. Statt auf einem Plateau oberhalb der Straße wird er wieder ebenerdig angelegt – ganz wie in alten Zeiten.

Die regenbogenbunte Skulptur »Fire and Water« wird in den kommenden Tagen vorübergehend in der Nähe des Elektrizitätswerks Reading im Norden der Stadt aufgebaut, bis sie schließlich an ihren angestammten Platz zurückziehen darf. Das aber wird mindestens ein Jahr dauern. So lange, schätzt die Stadtverwaltung, werden die Bauarbeiten dauern.

Renovierung Der Brunnen war 1986 vom Künstler persönlich an die Stadt übergeben worden, nachdem er zehn Jahre lang daran gearbeitet hatte. Agam ist berühmt für seine bunte kinetische Kunst. Allerdings ist das Kunstwerk nicht unumstritten. Die Erhaltungs- und Instandsetzungskosten sind immens. Trotz einer aufwendigen Renovierung in 2012 war er kurz vor dem Abbau schon wieder reparaturbedürftig.

Der Zina-Dizengoff-Platz, an dem sich die Dizengoff-Straße sowie die Reines- und die Pinsker-Straße treffen, bildet das Herz der Metropole. Benannt ist der Platz nach der Frau des ersten Bürgermeisters, Meir Dizengoff. Umgeben von charakteristischer Bauhaus-Architektur ist er einer der bekanntesten und meistfotografierten Orte im ganzen Land. Eigentlich ist der Platz kreisrund. Angelegt wurde er im Jahr 1934 und avancierte schnell zum beliebten Treffpunkt der Tel Aviver, wo man sich auf ein Pläuschchen traf und seinen Spaziergang auf der Flanier- und Modemeile Dizengoff begann.

Vera Levi lebt seit 50 Jahren in dieser Gegend – und seit fünf Jahrzehnten geht sie hier mit ihren Hunden Gassi. »Vielleicht bin ich zwei-, dreimal in eine andere Straße umgezogen, aber ich bin immer in der Nähe geblieben, das hier ist einfach mein Viertel.« Umso mehr freut sich Levi, dass es jetzt »rückrenoviert« wird, wie sie es ausdrückt. Denn: »Früher war der Platz der Treffpunkt aller Nachbarn, man setzte sich in den schwülen Sommernächten zusammen und trank ein kühles Gazoz. Nach dem Umbau war das mit einem Schlag vorbei. Ich freue mich darauf, das es jetzt vielleicht wieder so wird wie in alten Zeiten.«

Charme
Das würde sich wohl auch der mittlerweile verstorbene Bürgermeister Schlomo Lahat wünschen, der die Umstrukturierung im Jahr 1978 in Auftrag gegeben hatte. Er hatte einst gesagt, dass die Verlegung eine der Entscheidungen ist, die er sehr bereue. Damit der zunehmende Verkehr ohne Hindernis fließen konnte, ließ die damalige Verwaltung den Platz nach oben verlegen. Ein Betonplateau mit mehreren Rampen zum Hinauf- und Hinuntergehen entstand – mit dem farbigen Brunnen in der Mitte. Zwar waren die zahlreichen Sitzbänke vor allem an den Wochenenden oft belegt, doch die Plaza hatte ihren ursprünglichen Charme verloren, die nachbarschaftliche Atmosphäre war zerstört.

Allerdings nicht unwiederbringlich, meinte die Verwaltung kürzlich. Im Jahr 2016 entschied der Stadtrat, dass der Platz in seine ursprüngliche Form gebracht und die gesamte Umgebung dadurch wiederbelebt werden soll. Während der nördliche Teil der Straße mit modernen und eleganten Geschäften belebt ist, wirkt der südliche, an dem der Platz liegt, an vielen Stellen schmuddelig und in die Jahre gekommen.

Damit soll nach dem Umbau Schluss sein. Der jetzige Bürgermeister Ron Huldai ist hoffnungsvoll. Er erklärte dazu: »Der heutige Dizengoff-Platz ist ein Symbol der vergangenen Tage, als die Leute die Bedeutung des Autoverkehrs höher bewerteten als eine urbane Straße. Daher machten sie eine riesige öffentliche Kreuzung daraus. Den Platz wieder ebenerdig zu legen, ist eine wichtige Botschaft an die Bevölkerung, und es kann enorm zu den öffentlichen Plätzen in unserer Stadt beitragen.« Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro, die Arbeiten sollen innerhalb von zwölf Monaten fertiggestellt sein.

anwohner Nicht allen indes gefällt der Plan. Der hauptsächliche Grund für den Protest einiger Anwohner sind mehrere Birkenfeigen, einige mehr als 70 Jahre alt, die für den Umbau abgeholzt werden. An manchen Bäumen hängen Todesanzeigen: »Im Gedenken an ein wunderschönes Gewächs, das uns jahrzehntelang Schatten spendete«.

Noam Eilat hat die alte Version nicht mehr selbst erlebt, er kennt sie nur von vergilbten Fotos. Trotzdem ist ihm klar: »Es war eine grobe architektonische Sünde, und es ist gut, dass sie endlich revidiert wird.« Der Student kennt den Platz gut, denn jeden Freitagmorgen kommt er auf den Floh- und Antiquitätenmarkt unterhalb des Plateaus. »Ich liebe diese Gegend der Stadt und bin gern hier. Aber irgendwie hat mich dieses Betonmonster schon immer gestört. Selbst an den schönsten Tagen wirkt es hier völlig fehl am Platz. Ich freue mich riesig auf den neuen alten Platz.«

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