Wieso, weshalb, warum

Negelwasser

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

03.11.2016 – von Rabbiner Avraham RadbilRabbiner Avraham Radbil

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Jeder, der ungefähr eine halbe Stunde geschlafen hat, muss sich nach dem Schlaf rituell die Hände waschen (Mischna Brura 4,34). Diese Mizwa bezeichnet man auf Hebräisch als »Netilat Jadaim« (Erheben der Hände) oder auf Jiddisch als »Negelwasser«.

Das rituelle Waschen der Hände nach dem Schlaf unterscheidet sich von dem rituellen Händewaschen vor dem Brotverzehr, obwohl man denselben Segensspruch darüber spricht (… »ascher kideschanu bemizwotaw weziwanu al netilat jadaim«).

Schulchan Aruch Vor dem Brotverzehr begießt man zwei oder drei Mal die rechte Hand und danach zwei oder drei Mal die linke. Beim Negelwasser soll man drei oder vier Mal abwechselnd auf jede Hand gießen. So nimmt man das Gefäß, aus welchem man die Hände begießt, mit der rechten Hand und füllt es auf. Danach legt man das volle Gefäß in die linke Hand, um als Erstes die wichtigere rechte Hand zu waschen. Anschließend begießt man jede Hand drei oder vier Mal abwechselnd (Schulchan Aruch, Orach Chajim, Mischna Brura 4,10), wobei beim letzten, also dritten oder vierten Mal auf die linke Hand das ganze im Gefäß verbliebene Wasser ausgegossen wird.

Warum ist das Negelwasser so wichtig? Während des Schlafes verlässt ein Teil unserer Seele den Körper. Der dadurch entstandene Hohlraum wird durch das »Ruach Ra«, den bösen Geist, gefüllt (Schabbat 109b). Nach dem Aufwachen und dem Zurückkehren unserer Seele in den Körper verlässt uns das Ruach Ra, jedoch bleibt etwas davon an unseren Fingerspitzen zurück, bis wir die Hände gewaschen haben.

Schlaf Es wird auch gelehrt, dass der Schlaf ein Geschmack des Todes ist (Schulchan Aruch, Orach Chajim 4,16). Ein anderer Grund für die Mizwa: Jeder Mensch wird jeden Morgen als eine »Briah Chadascha«, eine neue Schöpfung, angesehen. Es ist nicht nur der Schlaf, der das Ruach Ra über uns bringt, sondern auch die Nacht selbst, die negativen Kräften einen idealen Rahmen bietet.

Außerdem können wir während des Schlafes unsere Hände nicht bewusst beherrschen. Demzufolge können die Hände während des Schlafes, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, unreine Stellen am Körper kratzen oder anfassen. Wenn man auch im wachen Zustand Körperstellen, die sonst immer bedeckt sind, mit den Händen anfasst, soll man sich die Hände anschließend waschen. Frauen sind dieser Mizwa in der gleichen Weise verpflichtet wie die Männer.

Ruach Ra Das Wasser, das als Negelwasser benutzt wurde, gilt als unrein, denn es enthält den Ruach Ra. Aus diesem Grund soll man aufpassen, dass das Wasser schnellstmöglich seinen Weg in den Abfluss findet, sodass keiner in Kontakt damit kommt. Man soll dieses Wasser auch auf keinen Fall an einen Ort gießen, wohin Menschen ihren Fuß setzen (Schulchan Aruch, Orach Chajim 4, 8–9).

Die Hände sollen schnellstmöglich nach dem Aufwachen am Morgen gewaschen werden. Aus diesem Grund empfehlen viele halachische Autoritäten, vor dem Schlafengehen ein mit Wasser gefülltes Gefäß mit einer Schüssel neben dem Bett vorzubereiten, um sich gleich nach dem Aufwachen die Hände waschen zu können (Mischna Brura 1,2).

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