Wieso, weshalb, warum

Mizwe-Tanz

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

25.08.2016 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Der Mizwe-Tanz ist der Brauch chassidischer Männer, in der Hochzeitsnacht, zum Abschluss der eigentlichen Feier, vor der Braut zu tanzen. Der Brauch geht auf die frühen Chassidim zurück und wird erstmals im mittelalterlichen Machsor Vitry erwähnt. Dieses Werk wurde vermutlich im 12. Jahrhundert aus Handschriften zusammengestellt und enthält Entscheidungen namhafter Rabbiner und Gelehrter zu religiösen Regeln, Sitten und Bräuchen.

Der Mizwe-Tanz fußt auf dem Talmud (Traktat Ketuwot): »Kejzad merakdim lifnej haKalla?« – »Wie (auf welche Art) tanzt man vor der Braut?«

Heute lehnen manche orthodoxe Gruppierungen diese Form des Mizwe-Tanzes ab. Doch die Chassidim haben den alten Brauch bewahrt. Sie betrachten es als große Ehre, in der Nacht der Hochzeit vor der Braut zu tanzen.

Gartel Der Brauch verlangt, dass nur nahe Verwandte wie Bruder, Schwager, Vater, Ehemann und der Rebbe am Mizwe-Tanz teilnehmen. Getanzt wurde ursprünglich rund um die Brautleute, aber das änderte sich mit der Zeit. Beim Mizwe-Tanz hält die Braut das Ende eines langen Gürtels (Gartel), während derjenige, der vor ihr tanzt, das andere Ende festhält.

Einen Gartel tragen chassidische Männer üblicherweise zu ihrem Kaftan. Damit wird der Oberkörper symbolisch vom Rest des Körpers getrennt. Dem Oberkörper mit Kopf, Herz und Händen, die Wohltätigkeit üben können, wird eine besondere Heiligkeit zugesprochen.

Der Mizwe-Tanz ist ein sehr emotionaler Moment. Da werden die Braut und einige ihrer weiblichen Verwandten sowie bedeutende Rebbetzins in den sonst durch eine Mechiza abgetrennten Bereich der Männer geholt. In chassidischen Kreisen ist es sonst nicht üblich, dass Männer und Frauen in demselben Raum tanzen und sich vergnügen.

Der chassidische Mizwe-Tanz ist keine herkömmliche Tanzveranstaltung. Meistens steht die Braut in ihrem Hochzeitskleid verschleiert am Ende des Raums und bewegt sich kaum. Sie flüstert, während man vor ihr tanzt, ein Gebet. Darin bittet sie um eine glückliche Zukunft an der Seite ihres Mannes.

Während des Mizwe-Tanzes jubeln und frohlocken der Bräutigam und die meisten seiner männlichen Verwandten vor der Braut. Das Tanzen kann die ganze Nacht bis zum Morgengrauen dauern.

Tuch Heute gibt es auch bei vielen Hochzeiten von Nichtchassidim einen Mizwe-Tanz – doch er verläuft anders: Braut und Bräutigam tanzen miteinander und halten dabei jeweils die Enden eines bestickten Tuches. Es ist auch durchaus üblich, dass die Braut mit den männlichen Ehrengästen tanzt. Doch man vermeidet es, sich gegenseitig zu berühren – daher das Tuch.

In früheren Zeiten, als das jungvermählte Paar materiell nicht gut ausgestattet war, pflegte man für den Mizwe-Tanz zu spenden. Mit dem Geld sollten die Brautleute ihr gemeinsames Leben sorgenfrei beginnen.

Der Mizwe-Tanz zu Ehren der Braut und des Bräutigams ist, als ob man einer Königin und einem König huldigen würde. In der kabbalistischen Tradition heißt es, der Braut zu huldigen, ihr zuzujubeln sei, als würde man vor der Schechina, der Gegenwart G’ttes, jubeln. Es ist ein Moment der höchsten Vereinigung mit dem G’ttlichen.

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