Wieso Weshalb Warum

Fasten am Schabbat?

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

28.07.2016 – von Chajm GuskiChajm Guski

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Anfang der Woche war das Fasten des 17. Tamus. Mit diesem Fastentag hat eine dreiwöchige Trauerzeit begonnen, die bis zum nächsten Fastentag, Tischa beAw (9. Aw), andauert. Die drei Wochen werden »Bejn HaMezarim« genannt, »zwischen den Bedrängnissen«.

Ausgerechnet in der Ferienzeit, möchte man meinen, beginnen drei Trauerwochen. Sie tragen eine trübe Grundstimmung in den Alltag. Die Mischna (Taanit 4,6) beschreibt, dass man mit Beginn des Monats Aw »die Freude vermindert«.

Teschuwa Aber es ist auch eine Zeit von Teschuwa (Buße) und des Nachdenkens über die Ereignisse, die zur Zerstörung des Tempels geführt haben. Man sagt, nur dann könne man auch eine wahre Freude über den Wiederaufbau der Stadt Jeruschalajim empfinden, wenn man sich zuvor den Verlust deutlich vor Augen geführt hat.

Kalenderfüchse werden jetzt einwenden: Wenn nach jüdischem Verständnis die Woche am Sonntag beginnt, wie soll dann die Woche mit dem Fasten des 17. Tamus begonnen haben? Das war doch am Schabbat, einen Tag vor dem Sonntag?

In diesem Jahr kann man dem Kalenderfuchs entgegnen: »Das ist ähnlich wie das Fasten an Tischa beAw.« Der 9. Aw ist in etwas mehr als einer Woche, am 13. August. Auch er fällt in diesem Jahr auf einen Schabbat. Gefastet wird deshalb erst am 14. August. Wenn man so will, fällt also der 9. Aw in diesem Jahr auf den 10. Aw.

Oneg Schabbat Schauen wir uns das genauer an. Ein Merkmal des Schabbats ist »Oneg« – Freude. Und Bestandteil dieser Freude ist es, dass man ausreichend isst und trinkt. Der Chafetz Chajim, Rabbiner Jisrael Me’ir Kagan (1838–1933), geht in der Mischna Berura (242,1), seinem Kommentar zum Schulchan Aruch, so weit, dass er schreibt: »Weil sich viele Menschen an Fleisch, Wein und Süßigkeiten erfreuen, sollte man davon am Schabbat viel haben, je nach Vermögen.«

Eine weitere Freude des Schabbats ist das Studium der Tora. Weil also die Freude am Schabbat obligatorisch ist, ist das Trauern an diesem Tag nicht erlaubt. Man kann aber wohl kaum die Gebote des Schabbats halten und gleichzeitig trauern und fasten.

Bejn HaMezarim In der gesamten »Bejn HaMezarim«-Zeit sind die Schabbatot Ausnahmen von der herrschenden Trauer. Der Schabbat hat Vorrang vor den Fastentagen, und deshalb wird am Schabbat nicht gefastet. Aber der Talmud nennt Ausnahmen. Im Traktat Schabbat (11a) wird gesagt, das Fasten helfe gegen böse Träume. Rabbi Chisda fügte hinzu: »vorausgesetzt man fastet am gleichen Tag«, und Rabbi Josef sagte: »sogar am Schabbat«.

Im Talmud (Megilla 5a-5b) wird auch erzählt, Rabbi Jehuda haNassi habe vorgeschlagen, den Fastentag, wenn er auf einen Schabbat fällt, einfach wegfallen zu lassen, ihn zu »entwurzeln«, wie der Talmud es ausdrückt. Die anderen Weisen entschieden sich jedoch dagegen und machten den darauffolgenden Tag zum Fastentag. Deshalb sind die Fastentage heute die Sonntage nach den entsprechenden Schabbatot.

Es gibt aber zwei Ausnahmen: das Estherfasten und Jom Kippur. Das Estherfasten wird auf den Donnerstag vorverlegt, weil der Sonntag schon Purim wäre. Und Jom Kippur ist »der Schabbat der Schabbate« (3. Buch Mose 16,31), daher hat seine Beachtung Vorrang vor einem »normalen« Schabbat.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Frankfurt
6°C
regenschauer
Tel Aviv
25°C
wolkig
New York
6°C
regenschauer
Berlin
6°C
regenschauer
Zitat der Woche
»Völkisch-antisemitischer Jammer-Ossi«
Der Kabarettist Uwe Steimle darf so bezeichnet werden. Das entschied in
der vergangenen Woche das Amtsgericht Meißen.