Wieso Weshalb Warum

Gam su letova

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

10.03.2016 – von Konstantin SchuchardtKonstantin Schuchardt

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Es war einmal ein Mann, der auf dem Weg zu einem wichtigen Vorstellungsgespräch von einem Auto erfasst wurde. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, sein Bein war gebrochen, er litt starke Schmerzen und verpasste das Gespräch. Nach einigen bitteren Tagen lernte er im Krankenhaus eine Frau kennen, die beiden verliebten sich ineinander, heirateten und gründeten eine Familie. Auf ihrer Hochzeit erzählte ein Freund die Geschichte, wie das Paar sich kennenlernte, und endete mit dem Spruch: »›Gam su letova‹ – auch dies war zum Guten.« Denn das vermeintliche Unglück führte über einen Umweg zum großen Glück der Liebenden. Zufall oder göttlicher Plan?

Nachum Isch Gamsu Der Talmud berichtet von einem Weisen, der seinen Namen diesem Spruch zu verdanken hat: Nachum Isch Gamsu – abgeleitet von »Nachum, der ›auch dies ist zum Guten‹ sagt«. Er lebte im zweiten Jahrhundert und hat sich in der jüdischen Tradition vor allem durch seinen unzerstörbaren Optimismus verewigt. Er sah alle Widrigkeiten des Lebens, so bedrohlich sie auch erscheinen mochten, positiv, denn sie kamen von Gott und mussten daher sinnvoll sein – nur fehlt uns Menschen das Verständnis für Seinen erhabenen Plan.

Der Talmud überliefert folgende Geschichte über die wundersamen Erlebnisse Nachums: Die Juden wollten dem Kaiser in Rom eine Schatulle, gefüllt mit prachtvollen Edelsteinen und Perlen, überreichen, um ihn der Gemeinde gegenüber milde zu stimmen. Nachum wurde als Bote ausgewählt und machte sich auf den Weg nach Rom. Während er in einem Gasthaus übernachtete, wurden seine Schätze gestohlen und die Schatulle mit Dreck und Steinen gefüllt.

Als der Fromme am nächsten Morgen den Diebstahl bemerkte, verzweifelte er nicht, sondern sagte sich: »Gam su letova« – und setzte seinen Weg zum Kaiser fort, um das Geschenk abzuliefern. Der Herrscher geriet in großen Zorn über diese Frechheit und rief aus: »Die Juden verspotten mich!« Er wollte alle Juden für diese Unverfrorenheit töten, doch da erschien ihm der Prophet Eliahu in Gestalt eines kaiserlichen Beraters und warf ein: »Vielleicht ist dies von der Erde ihres Vaters Abraham, die zu Schwertern wird, wenn man sie wirft.« Der verkleidete Prophet zitierte aus dem Buch Jesaja: »Er macht wie Staub sein Schwert und wie verwehte Stoppeln seinen Bogen.«

Die Römer ließen es auf einen Versuch ankommen und nahmen die Erde mit auf einen Feldzug gegen eine widerspenstige Provinz. Als der Sieg der Legionen bekannt wurde, entließ man Nachum aus dem Gefängnis und gab ihm eine Schatulle, prall gefüllt mit Schätzen. Wohlbehalten kehrte er zu seinem Volk zurück.

Plan In der Tora heißt es: »Ich (Gott) bilde das Licht und erschaffe das Finstere, bewirke das Gute und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt« (Jesaja 45,7).

In allem, was geschieht, das Handeln Gottes gemäß seines perfekten Plans zu sehen, ist Teil der rabbinischen Theologie. Aus dieser Vorstellung schöpften unsere Vorfahren in ihrer leidvollen Geschichte Zuversicht. Es minderte die Angst vor den Unterdrückern, wenn man sie nur als Konsequenz Gottes auf eigenes Handeln und nicht als eigenständige Mächte des Bösen betrachtete.

Der von Leid getroffene Mensch wird meistens nach dem Grund fragen, wird ihn bei sich suchen, bei anderen Menschen, in Umweltfaktoren oder bei Gott. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum bietet Trost und kann Sinn offenbaren.

In Pirkej Awot, den Sprüchen der Väter, sagt Rabbi Janai: »Es ist uns nicht gegeben zu wissen, warum Frevler in Wohlergehen und Gerechte in Leiden leben.« Nachum aus unserer Geschichte hat den Grund wohl auch nicht gekannt. Aber er hat Kraft geschöpft aus der Gewissheit, dass es einen Grund gibt.

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