Redezeit

»Die Kamera ist mein Werkzeug«

Der Fotograf Ziv Koren über Kriegsgebiete, Instagram und die Einsamkeit

29.02.2016 – von Christine SchmittChristine Schmitt

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Herr Koren, Sie gelten als einer der besten Pressefotografen, haben unzählige Preise gewonnen. Sie berichten vor allem aus Kriegsgebieten oder von Naturkatastrophen, wie beispielsweise dem Erdbeben in Haiti oder dem Tsunami in Thailand. Wenn Sie an Ihre Arbeit denken, worüber sprechen Sie am liebsten?
Da fallen mir viele Aspekte ein. Was macht ein gutes Foto aus? Wie reise ich als Pressefotograf in ein Krisengebiet? Was hat sich mit der Digitalisierung verändert? Mittlerweile gibt es ein Überangebot an Fotografien, denn jeder kann ganz schnell mit dem Handy Bilder machen. Und dank der Digitalisierung werden diese Bilder online veröffentlicht. Fünf Billionen Fotos gibt es bei Instagram – das sind insgesamt mehr, als bisher von der Entwicklung der Fotografie bis zur Einführung der Digitalisierung gemacht wurden.

Auch seriöse Nachrichtenmagazine greifen auf dieses Material zurück. Werden Pressefotografen überhaupt noch gebraucht?
Hören Sie, jeder hat einen Kugelschreiber, aber das heißt nicht, dass jeder weiß, wie man schreibt. Die Kamera ist ein Werkzeug. Und es ist in Ordnung, es zu nutzen. Meine Tochter macht eine Menge Fotos, sie fotografiert, was sie isst, was sie anzieht und wo sie ist. Das ist okay. Wenn du aber einen Geschichtenerzähler suchst, dann brauchst du einen professionellen Fotografen. In der Vergangenheit gab es zwar immer wieder Momente, die ohne einen Pressefotografen festgehalten wurden, beispielsweise die Landung auf dem Mond. Und derzeit erreichen uns aus Syrien unzählige Handy-Fotos. Aber wenn ein Journalist an einer Story oder Reportage arbeitet, dann braucht er Profis.

Sie waren eigentlich überall da, wo es Kriege gibt oder wo Naturkatstrophen wüten. Was reizt Sie daran?
Ich sehe es als meine Mission an. Die Kamera ist mein Werkzeug, und so kann ich mit ihr eine internationale Sprache – die der Bilder – entwickeln, mit deren Hilfe man zu jedem sprechen kann. Das gibt allen, die keine Stimme haben, die Möglichkeit zu sprechen. So können sie gehört werden. Dafür will ich meine Stimme erheben und die Geschichte erzählen. Mein Ziel ist es auch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und Verständnis dafür zu wecken, was beispielsweise in Gaza oder im Westjordanland geschieht.

Ist der Beruf des Fotografen ein einsamer Job?
Ich arbeite die meiste Zeit allein, jedoch fühle ich mich dabei nicht so. Es gibt Vor- und Nachteile, allein und nicht mit einer Crew zu arbeiten. Ich mag es, dass ich entscheiden kann, welche Story ich covere. Und ich habe gelernt, dass es zur Einsamkeit führen kann.

Geraten Sie gelegentlich in gefährliche Situationen?
Ja, speziell in Israel. Aber ich würde niemals mein Leben riskieren für ein gutes Bild.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Ich bin mittlerweile geschieden. Als ich meine Frau kennenlernte, wusste sie, welcher Arbeit und Berufung ich nachgehe. Es war keine Frage. Ich sage morgens aber nie, was ich gleich tun werde. Erst wenn ich fertig bin, erzähle ich es meiner Familie, und sie respektiert das.

Mögen Sie eines Ihrer Fotos besonders gerne?

Nein, alle zusammen geben eine bessere Perspektive. Wenn es eines gäbe, dass all das aussagen könnte, würde es ja nur dieses eine geben.

Wie lange warten Sie, bevor Sie auf den Auslöser drücken?
So lange, wie es nötig ist. Manchmal warte ich geraume Zeit, bis der richtige Moment kommt, damit die Komposition gelungen ist. Zeitweise dauert das eine Stunde. Mal kommt der Moment, mal nicht. Am längsten – nämlich sechs Stunden – habe ich bei dem Foto mit dem spielenden Delfin vor dem U-Boot gewartet.

Haben Sie ein Vorbild?
Ich weiß nicht, ob Vorbild die richtige Beschreibung ist. James Nachtwey halte ich für einen der wichtigsten Fotografen, auch Robert Capa. Ich interessiere mich für die Arbeiten meiner Kollegen und kaufe mir stets ihre Bücher, also richtige gedruckte Bücher. Aber auch auf Instagram folge ich vielen.

Wie ist es für Sie, fotografiert zu werden?

Ich bevorzuge es, hinter der Kamera zu stehen, jedoch habe ich kein Problem damit, vor der Kamera zu sein. Ich bin aber ganz leicht zu fotografieren – und ich sage nie etwas dazu.

Mit dem Fotografen sprach Christine Schmitt.

www.zivkoren.com

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