Begegnung

Freunde aus Fernost

Die Makuya, Christen aus Japan, unterstützen Israel seit 1948. In Jerusalem haben sie ein Haus

04.02.2016 – von Lissy KaufmannLissy Kaufmann

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In dem unscheinbaren Jerusalemer Wohnviertel Givat Hamivtar treffen japanische und israelische Kultur aufeinander. An der Wand des Empfangszimmers im Haus der Makuya hängen das Bild des Armeegenerals Uzi Narkiss und Auszeichnungen des KKL gleich über dem Bild des japanischen Kaiserpaares. Die beiden Landesfähnchen sind auf dem Buffet darunter aufgestellt.

Daneben eine Menora und das Bild jenes Mannes, der das alles hier ermöglich hat: »Das ist Professor Abraham Ikuro Teshima, der Gründer der Makuya«, erklärt Asher Seito Kimura, der heutige Leiter des Jerusalemer Makuya-Zentrums. Er sitzt an dem großen Tisch des Empfangszimmers – gleich unter dem Bild des Gründers: ein Mann mit breitem Lächeln und einem langen weißen Bart.

Die Makuya, das ist eine Gruppe japanischer Christen, die das Judentum als den großen Bruder des Christentums betrachten und Israel als ein Land, das es zu besuchen und zu unterstützen gilt. Sie fühlen sich dem Judentum eng verbunden. In ihrem Haus in Jerusalem gibt es kein einziges Kreuz, dafür aber mehrere Menorot. Dennoch feiern sie christliche Feste und lesen auch das Neue Testament.

Gründer Abraham Ikuro Teshima, 1910 geboren, war ein gläubiger Christ – einer der wenigen in Japan. Mit unter zwei Prozent sind Christen dort eine Minderheit. »Doch Professor Teshima begann, an der Institution Kirche zu zweifeln«, erzählt der 36-jährige Asher Seito Kimura. Nicht allerdings an seinem Glauben: Man brauche hierfür jedoch keine Kirche, Pfarrer oder Priester, es reichen ein normales Wohnhaus und ein einfaches Zimmer, um die Bibel zu lesen und gemeinsam zu beten. Und: die Nähe zu Israel. So gründete er – ausgerechnet 1948, im Gründungsjahr Israels – Makuya. Übersetzt heißt das »Zelt der Begegnung«, oder »ohel moed« auf Hebräisch – der Ort der Begegnung mit Gott.

»Teshima kam 1961 zum ersten Mal nach Israel, reiste durch das ganze Land, besuchte auch die Kibbuzim«, erzählt Asher Seito Kimura, während seine Frau grünen Tee in kleinen Schalen serviert. »Er glaubte, dass man als Christ auch in Israel sein, die Luft hier spüren und viele Orte besuchen muss.« Die Verbundenheit mit Israel war nicht nur religiöser, sondern auch politischer Natur. So schrieb Abraham Ikuro Teshima: »Als uns die Nachricht von der Befreiung Jerusalems erreichte, sprang unser Herz vor Freude, unser Blut pulsierte. Die Freude ist nicht in Worte zu fassen. Als wir den ›Befreier von Jerusalem‹, General Uzi Narkiss, zu unserer jährlichen Konferenz einluden, begrüßten unsere Leute ihn herzlich, wir klatschten und unterstützten seine Aussage ›Jerusalem soll nie wieder erobert werden‹ von ganzem Herzen.«

Gründer Teshima begann ab 1963, seine Anhänger nach Israel zu schicken. Mehr als 1000 Makuya-Anhänger sind bisher als Studenten ins Land gekommen, haben zunächst im Kibbuz Hefziba im Norden des Landes Hebräisch gelernt und dann an einer der Universitäten des Landes studiert. Derzeit leben fünf von ihnen im Makuya-Haus in Jerusalem.

Studenten Seit einem Jahr leitet Asher Seito Kimura dieses Haus, er ist Ansprechpartner für die Studenten, empfängt interessierte Besucher, hält Kontakte zu israelischen Freunden der Makuya aufrecht. Seine Frau kocht für die Gruppe und kümmert sich um die drei eigenen Kinder. »Das hier ist auch ein Haus der japanischen Kultur, und so bekommen wir manchmal Besuch von Schulklassen, die etwas über unser Land lernen möchten.« Die japanische Tradition zeigt sich sogar im Vorgarten vor dem Hauseingang: Plastikstreben in Bambusform zieren das Gärtchen, die Hecken sind akkurat geschnitten – selbst die für Jerusalem so typischen duftenden Rosmarinbüsche. Auch hier draußen verschmelzen die Kulturen.

Wie alle Makuya-Anhänger haben auch die Kimuras ihre Vornamen um einen hebräischen Namen ergänzt: Seito nennt sich Asher, seine Frau Tzofia, die Kinder heißen Shunamit (6), Gilad (4) und Noam (1). »Die Bibel beschreibt, wie Gott Jakob den neuen Namen Israel gab. Die Namensänderung ist bedeutungsvoll, sie steht für einen Neuanfang, für uns ist es der Neuanfang in Israel.«

Doch Israel ist für Asher längst kein Neuland mehr: In eine Familie von Makuya-Anhängern hineingeboren, studierte er bis 2005 an der Hebräischen Universität Archäologie und jüdische Geschichte, ging dann zurück nach Japan, wo er seine Frau heiratete, bevor er 2014 wieder nach Israel zurückkehrte.

Pilger Einmal im Jahr empfängt er auch eine Pilgergruppe mit rund 50 Makuya-Anhängern. Sie besuchen christliche und jüdische Stätten: den Kinneret, die Kotel in Jerusalems Altstadt und die Negevwüste. Wie viele Mitglieder es weltweit gibt, kann Asher Seito Kimura aber nicht sagen: »In der Bibel steht, dass die Zählung durch König David den Zorn Gottes auf sich zog, und deswegen zählen wir nicht. Ich kann nur sagen, dass zum Weltkongress der Makuya im vergangenen Jahr rund 4000 Anhänger kamen.«

Einer dieser ungezählten Anhänger ist Ishai Naoto Omichi, der mit seiner Frau für ein paar Monate – wieder – im Makuya-Haus in Jerusalem lebt: um alte Freunde zu besuchen und die Kimuras zu unterstützen. Der 70-Jährige war schon einmal hier, als Postdoktorand im Fach Chemie an der Hebräischen Universität. Acht Jahre hat er in Israel verbracht, einige Monate davon im Kibbuz Hefziba, dann in Jerusalem. »Das war vor mehr als 30 Jahren«, erzählt er.

Anders als Asher ist Ishai nicht in eine christliche Familie hineingeboren. »Es war kurz vor Kriegsende 1944, und es herrschte viel Armut in Japan. Meine Eltern schafften es nicht, mich großzuziehen, und so bin ich in einem Kinderheim aufgewachsen. Es war schwer, ich hatte viele Probleme«, erzählt Ishai. Erst später fand er zum Christentum und schloss sich Makuya an, was sein Leben veränderte, wie er sagt. Den Gründer Abraham Ikuro Teshima, der 1973 starb, hat er sogar noch persönlich getroffen. »Das war 1970 in Japan«, erinnert sich Ishai, schließt die Augen und lächelt. »Er war … als ob man Licht sieht. Ich kann es kaum beschreiben.«

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