Einspruch

Kreuzlingen ist überall

Peter Bollag über Existenzängste kleiner jüdischer Gemeinden in der Schweiz – und anderswo

07.01.2016 – von Peter BollagPeter Bollag

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Sie sind an einer Hand abzuzählen: die jüdischen Kleinstgemeinden der Schweiz, von denen sich erst jüngst wieder eine aufgelöst hat, nämlich Kreuzlingen. Ein paar wenige übrig gebliebene, meist sehr motivierte, Mitglieder versuchen, einen Trend aufzuhalten, der nicht aufzuhalten ist. Wir beobachten eine Entwicklung, die auch in Deutschland droht.

Dabei stellt sich auch die Frage, was eine jüdische Gemeinde ist. Muss sie aus mindestens zehn Männern, die es für einen Minjan braucht, bestehen? Oder genügen auch einige wenige Männer und Frauen, ja, vielleicht sogar eine Einzelperson? Braucht eine Gemeinde einen Versammlungsort, ein Betlokal, oder genügt sogar eine Postadresse?

gleichgewicht Eine klare Antwort auf alle diese Fragen gibt es nicht. Und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) als Dachverband der jüdischen Gemeinden hat sich bisher aus guten Gründen gehütet, in die Diskussion einzugreifen. Dies wohl auch aus politischen Gründen, nicht zuletzt, um das fragile Gleichgewicht zwischen den Großgemeinden in Basel, Zürich und Genf einerseits und den Kleingemeinden andererseits nicht aufs Spiel zu setzen.

So ist es diesen selbst überlassen, Überlegungen anzustellen, ob und, wenn ja, wie sie weiter existieren wollen und wo sie die kritische Größe festlegen. Die Praxis fällt dabei unterschiedlich aus. Solothurn hat sich etwa für eine Annäherung an Bern entschieden: Es gibt dort nun einige reservierte Synagogenplätze, aber noch ein eigenes Gemeindeleben. In Städten wie Biel, St. Gallen oder La Chaux-de-Fonds mit historischen Synagogen versucht man auf eigene Faust, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. Hingegen hat die Kleinstgemeinde Bremgarten nahe Zürich keine Option mehr: Sie wird sich wohl auch bald auflösen.

Denn das ist jenseits aller Diskussionen klar: Eine gewisse Infrastruktur und eine gewisse Anzahl von Mitgliedern braucht es einfach, um zu überleben. In der kleinen Schweiz wie im großen Deutschland.

Der Autor ist Journalist in Basel.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Jubiläum

70 Jahre Jüdische Allgemeine – zum Dossier

70 Jahre
Jüdische Allgemeine

Zum Dossier

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wahlen USA

Amerika im Wahlfieber – zum Dossier

8. November 2016

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
28°C
heiter
Frankfurt
32°C
heiter
Tel Aviv
31°C
heiter
New York
23°C
heiter
Zitat der Woche
»Menschen jüdischer Glaubensrichtung«
Die Berliner Piratenpartei erklärt in ihrem Programm, mit wem sie in
ihrem Kampf gegen Antisemitismus solidarisch ist.