ARD-Korrespondent

»Ich wäre verdammt gerne geblieben«

Richard C. Schneider verlässt Israel nach zehn Jahren – und berichtet künftig aus Südeuropa

24.12.2015 – von Philipp Peyman EngelPhilipp Peyman Engel

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Zehn Jahre lang war er das Gesicht der ARD in Israel. Ob Gaza-Krieg, Hüttenkäse-Revolution oder immer wieder auch die vielen bunten und unkomplizierten Seiten des jüdischen Staates: Für viele deutsche Fernsehzuschauer ist Richard C. Schneider eine Institution.

In seiner unaufgeregten Art und Weise sichtete, ordnete und kommentierte der 58-jährige Chefkorrespondent und Büroleiter in Tel Aviv Tag für Tag die Nachrichten aus Israel und vermittelte den Zuschauern oft ein differenzierteres Bild des Landes als manche seiner Kollegen.

Vatikan Jetzt hat der Bayerische Rundfunk (BR) bekannt gegeben, dass die Stelle des Büroleiters Tel Aviv ab Anfang 2016 neu besetzt wird. Als eine Abstrafung möchte der Sender die Entscheidung jedoch nicht verstanden wissen. »Der Vertrag von Richard C. Schneider wurde nicht beendet, er läuft turnusgemäß zum Jahresende 2015 aus«, teilt der BR auf Anfrage mit. Weil seine journalistischen Leistungen sehr geschätzt würden, wird er ab März aus Italien, Griechenland, Malta und dem Vatikan berichten.

Als »beruflich und privat sehr hart« bezeichnet Schneider den notgedrungenen Wechsel. »Ich wäre verdammt gerne im Berichtsgebiet geblieben«, sagt der Journalist im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Schneider macht keinen Hehl daraus, dass er die Veränderung aus mehreren Gründen bedauert.

Zum einen ist der jüdische Staat sein Lebensthema – sowohl journalistisch als auch persönlich. Zum anderen ist der wenig uneitle Schneider davon überzeugt, dass er die Idealbesetzung für die Stelle in Israel ist. »Zehn Jahre Erfahrungen, Kontakte und Verständnis der Region sind bald erst einmal weg«, bedauert der gebürtige Münchner.

Einarbeitung Doch noch ein anderer Aspekt mag eine Rolle dabei spielen, dass er die Entscheidung mit Bedenken aufgenommen hat. »Ich bin absolut kein Fachmann für das neue Berichtsgebiet, auch wenn es als Journalist natürlich dazugehört, sich immer wieder neu einzuarbeiten.«

Andererseits hat er Verständnis für die Entscheidung. Schneider hat auch schon vor seiner Zeit in Israel für den BR gearbeitet, er kennt die Regeln für Korrespondenten. »Es gehört nun mal zum Spiel dazu, dass wir immer wieder einmal den Standort wechseln müssen, um uns den frischen Blick zu erhalten.« Letzteres wird ihm nicht schwerfallen. Er wird in seinem neuen Berichtsgebiet fast bei null anfangen. »Schon allein deshalb, weil ich mich bisher mit Südeuropa nicht so stark beschäftigt habe.«

Doch Israel wird den Sohn von ungarischen Schoa-Überlebenden auch in Zukunft nicht loslassen. Zurzeit arbeitet er an einem Buch mit dem Arbeitstitel Israel. Psychogramm einer zerrissenen Gesellschaft. In dem 2016 erscheinenden Buch erklärt er, warum er die Zukunft des Landes pessimistisch sieht, und weshalb eine Lösung im Konflikt mit den Palästinensern seiner Ansicht nach durch beiderseitige Fehler in immer weitere Ferne rückt.

Darüber hinaus werden ihn auch in seinem neuen Sendegebiet zwei Themen beschäftigen, über die er bereits in Israel intensiv berichtet hat: der islamistische Terrorismus und die aktuelle Flüchtlingsdebatte. »Trotzdem weiß ich schon jetzt, dass der Abschied traurig wird«, sagt Schneider. »Aber ich weiß auch, dass es nur ein Abschied auf Zeit sein wird.«

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