Fußball

Spieler schützen

Erneut wurden Kicker von TuS Makkabi bei einem Kreisliga-Match antisemitisch bedroht. Nun sucht der Verein ein Sicherheitskonzept

Aktualisiert am 22.10.2015, 16:40 – von Frederik SchindlerFrederik Schindler

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Am vergangenen Sonntag wurde die dritte Herrenmannschaft des Fußballvereins TuS Makkabi Berlin erneut Ziel eines antisemitischen Übergriffs. Beim Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Neukölln waren die Spieler des jüdischen Vereins massiven Bedrohungen ausgesetzt, sodass das Spiel in der Verlängerung abgebrochen werden musste. »Ich stech dich ab«, »Wir kommen gleich mit unseren Messern«, »Nach dem Spiel seid ihr tot« oder »Du hast dir gerade dein eigenes Grab geschaufelt«, lauteten einige der Drohungen von Spielern mit vermutlich arabischen Wurzeln, wie Makkabi-Teamkoordinator Leonard Kaminski im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen berichtet. Er vermutet einen Bezug auf die derzeitigen Messerattacken in Israel.

Der Schiedsrichter Werner Maass bestätigte dieser Zeitung, dass er am Ende des Spiels diese Äußerungen selbst gehört und sich auch selbst bedroht gefühlt habe. Die Situation eskalierte, als der Neuköllner Kapitän nach einem Faustschlag ins Gesicht eines gegnerischen Spielers die Rote Karte erhielt und damit vom Feld verwiesen wurde. »Die Spieler waren übertrieben aggressiv, grätschten uns seit der zweiten Halbzeit grundlos um«, beschreibt Kaminski die Vorfälle. Neuköllns Kapitän habe seinen Mitspielern nach dem Platzverweis zugerufen, sie sollen ihre Messer rausholen, woraufhin sich einige Ersatzspieler am Rande des Spielfelds mit leeren Glasflaschen aus Müllcontainern bewaffneten.

Der Schiedsrichter brach die Partie wenige Minuten vor Spielende beim Stand von 2:0 für die Makkabäer aus Angst vor Übergriffen ab. Nach dem Spiel zeigte mindestens ein Neuköllner Spieler ein T-Shirt mit dem Aufdruck »I Love Palestine«.

Das Makkabi-Team begab sich wegen der Drohungen anschließend in seine Kabine, mehrere gegnerische Spieler wollten diese dann stürmen und konnten nur von ihren eigenen Teamkollegen davon abgehalten werden. Erst als das Neuköllner Team das Gelände am Eichkamp verlassen hatte, konnten alle Makkabi-Spieler aus der Kabine kommen. Sein Team habe nach den Bedrohungen nicht die Polizei verständigt, um die Situation »nicht unnötig aufzuplustern«, erläutert Leonard Kaminski.

Bedingungen »Das ist auch für Makkabi eine besondere Situation, unter solchen Bedingungen Fußball zu spielen«, sagt der Sportliche Leiter des Vereins, Claudio Offenberg. »Man muss sich mal in die Lage der Spieler versetzen, die zum Teil im ersten Jahr bei Makkabi spielen. Das kann so nicht hingenommen werden!«

Der Verein ist bestrebt, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Fußball-Verband Lösungen zu suchen. Bei schweren Verstößen kann dieser sogar Mannschaften und ganze Vereine vom Spielbetrieb ausschließen. Zudem müsse leider auch an eine Zusammenarbeit mit der Polizei gedacht werden, um die Spieler zu schützen.

Die ist nach Auskunft eines Sprechers »im ständigen Kontakt mit dem Berliner Fußball-Verband, um sich über möglichen bevorstehende Störungen zu informieren.« Hinweise bezögen sie in ihre laufenden Bewertungen ein und würden dann »entsprechende Sicherheitskonzepte« anpassen, sagte der Leiter der Pressestelle, Thomas Neuendorf.

Der Berliner Fußball-Verband möchte sich zu dem Vorfall am Wochenende mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen nicht äußern. Man müsse zunächst »abwarten, welche Unterlagen und Stellungnahmen bei uns eintreffen. Wie es generell weitergeht, können wir daher bisher nicht sagen, das ist immer unterschiedlich«, sagte eine Verbandssprecherin.

Der Berliner Fußball-Verband muss aufgrund des Spielabbruchs nun handeln und wird wohl in Kürze ein Sportgerichtsverfahren einleiten. Vielmehr stellt sich jedoch die Frage, wie weitere Übergriffe gegen die Makkabi-Teams verhindert werden können. Wenn es nach Claudio Offenberg geht, soll auch der Berliner Fußball-Verband seinen Vereinen erneut klarmachen, dass dieses Verhalten nicht toleriert wird, und das direkte Gespräch mit Auffälligen suchen.

Zumindest das Rückspiel beim 1. FC Neukölln im Mai 2016 wird unter Polizeischutz stattfinden. »Wir wollen diesen permanenten Ausnahmezustand allerdings nicht, sondern einfach nur in unserer Freizeit Fußball spielen«, macht Makkabi-Teamkoordinator Kaminski deutlich. »Auch von der jüdischen Gemeinde wünschen wir uns dafür mehr Unterstützung.«

Vorwürfe Der Vorsitzende des 1. FC Neukölln, Abbas Berjawi, wies die Vorwürfe zurück. Dass es Morddrohungen gegeben habe, sei eine »absurde Lüge«, wie er der Jüdischen Allgemeinen sagte. Vielmehr seien seine Spieler verschiedener Herkunft als »ISIS-Terroristen« beleidigt worden. Sein Team habe »unter diesen Umständen« nicht weiterspielen wollen. Deshalb verließ es kurz vor Spielende selbst das Feld und ließ das Spiel abbrechen. Dass seine Spieler anschließend propalästinensische T-Shirts zeigten und die Kabine stürmen wollten, stimme ebenfalls nicht. »Makkabi kann alles erzählen. Denen wird alles geglaubt.«

Der Vereinsfunktionär vermutet offenbar eine Verschwörung: »Die haben überall auf der Welt Aufmerksamkeit und wollen diese jetzt auch noch im Fußball«, so Berjawi zur Jüdischen Allgemeinen. Leonard Kaminski bekräftigt, dass es von seinem Team aus keine auf Herkunft und Religion abzielende Beleidigungen in Richtung der Neuköllner gab.

Anfeindungen Ein ähnlicher Vorfall im Berliner Amateurfußball liegt nur wenige Wochen zurück. Ende August wurde das dritte Makkabi-Team Ziel antisemitischer Anfeindungen. Das erst neu gegründete Team, das in der untersten Klasse am Spielbetrieb teilnimmt, wurde während des gesamten Spiels gegen den BFC Meteor 06 III antisemitisch beleidigt. Damals wurden dem Makkabi-Team ebenfalls diskriminierende Beleidigungen vorgeworfen.

Für den Sportlichen Leiter von TuS Makkabi Berlin, Claudio Offenberg, sind das »Schutzbehauptungen, um von der eigenen Schuld abzulenken«. Es sei »traurig, dass die Vereine so reagieren, statt ihr Fehlverhalten einzugestehen«.

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