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Hakafot

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

Aktualisiert am 01.10.2015, 12:13 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Bei jüdischen Hochzeiten, zumindest bei aschkenasischen, ist es üblich, dass die Braut ihren Bräutigam siebenmal umkreist, bevor sie sich neben ihn unter die Chuppa stellt. Während des Sukkotfests wird an Chol HaMo’ed, den Halbfeiertagen, die Bima, also das Lesepult für die Tora, siebenmal mit den sogenannten »Vier Arten« umkreist. Die Vier Arten sind die Etrog-Frucht sowie Weiden-, Myrten- und Palmenzweige, die den Lulav bilden.

Direkt im Anschluss daran, an Hoschana Rabba, dem siebten Tag von Sukkot, werden alle Torarollen aus dem Aron HaKodesch, dem Toraschrank, ausgehoben, und man umkreist siebenmal die Bima. Dazu werden sieben »Hoschana«-Gebete gesagt.

Simchat Tora Einen Tag nach Hoschana Rabba ist Simchat Tora, das Fest der Torafreude, an dem wir die Tora beenden und mit der Lesung wieder neu beginnen. Zu diesem Anlass umkreist man siebenmal die Bima mit den Torarollen, und es werden spezielle Gebete gesungen oder gesprochen.

Diese Umkreisungen werden Hakafot genannt. Im Buch Joschua wird geschildert, wie G’tt befiehlt, dass die Soldaten die Stadtmauern Jerichos umrunden sollen. Jeden Tag ein Mal und das an sechs aufeinanderfolgenden Tagen. Das hebräische Verb für dieses »Umkreisen« heißt »hakaf«. Eine Umkreisung ist eine »Hakafa«, und mehrere werden dementsprechend »Hakafot« genannt.

Von Simchat Tora sind diese Hakafot heute nicht mehr wegzudenken. Doch dieser Brauch entstand erst recht spät. Etwas Ähnliches gab es bereits im Tempel. In der Mischna (Sukka 4,2) wird über Hoschana Rabba erzählt, dass die Kohanim (Priester) in der Nähe von Jerusalem Weidenzweige sammelten und in den Tempel zurückkehrten. Dort bliesen sie das Schofar, umkreisten jeden Tag einmal den Altar und sprachen Gebete, wie etwa das »Hoschia Na«. An Hoschana Rabba jedoch umkreisten sie den Altar siebenmal.

Schulchan Aruch Für Simchat Tora ist der Brauch erst ab dem 16. Jahrhundert beschrieben. Rabbiner Mosche Isserles (1520–1572) nennt ihn in seinem Kommentar zum Schulchan Aruch (Orach Chajim 664,1) als einer der Ersten: »Es ist unser Brauch, die Torarollen alle aus dem Toraschrein zu heben und mit ihnen Hakafot zu machen, wie man es mit dem Lulav zu Sukkot getan hat.«

Avraham Yaari bestätigt in seinen Toldot Chag Simchat Tora, dass die Hakafot erst recht spät zu einem Bestandteil von Simchat Tora wurden. Laut Yaari stammt eine weitere Schilderung der Hakafot an Simchat Tora von Chajm Vital (1542–1620). Der berichtete, er habe dies bei seinem Lehrer Jitzchak Luria Aschkenasi, dem Ari (1534–1572), gesehen. Die Schilderung stammt also aus einer ähnlichen Zeit wie die von Rabbiner Isserles.

kabbalist Da der Ari ein bedeutender Kabbalist war, könnte man annehmen, erst die Adaption durch die Kabbalisten habe dem Brauch zu seinem Durchbruch im 18. Jahrhundert verholfen. Zumindest scheint dies eine weitere Quelle für die Zahl 7 zu sein. Laut den Kabbalisten steht sie für die Vorväter Awraham, Jitzchak, Jakow, Mosche, Aharon, Josef und König David, die an jedem Sukkotabend in die Sukka eingeladen werden.

Sie stehen zugleich für sieben Sefirot (Aspekte von G’ttes Wesen): Chessed (Gnade), Gewura (Stärke), Tiferet (Herrlichkeit), Nezach (Sieg, Ewigkeit), Jesod (Gründung, Grundlage) und Malchut (Königreich, Herrschaft). Es kann also sein, dass Hoschana Rabba im Zusammenhang damit steht. Gleiches gilt für die Chuppa. Denn an Simchat Tora wird für die erneute Lesung ein »Bräutigam der Tora« aufgerufen.

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