USA

Boykott in Berkeley

An den Unis findet die Anti-Israel-Bewegung BDS wachsenden Zuspruch

25.09.2015 – von Daniela BreitbartDaniela Breitbart

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An Amerikas Hochschulen beginnt ein Studienjahr – und damit eine neue Welle von Anti-Israel-Protesten. Ideologisch und finanziell genährt von gut vernetzten Organisationen wie Students for Justice in Palestine (SJP) und American Muslims for Palestine (AMP) nehmen BDS-Aktivisten ihre Kampagne gegen Israel und seine angeblich »menschenrechtsverletzende Apartheidpolitik« wieder auf – mit den bekannten Parolen und leicht veränderten Methoden.

Auch in diesem Jahr wird es wieder campusweite Abstimmungen für den akademischen und wirtschaftlichen Israel-Boykott geben. Weil sich diese aber in der Vergangenheit als eher stumpfes Schwert erwiesen haben – zwölf Studentenparlamente stimmten mit Ja, aber keine Uni ist den Rufen praktisch gefolgt – kooperieren die Mitglieder der BDS-Bewegung inzwischen mit Gruppen, die sich für den Schutz der Rechte von Minderheiten wie Homosexuelle oder Immigranten einsetzen oder gegen gesellschaftliche Missstände kämpfen.

Idealisten BDS hat an amerikanischen Hochschulen, darunter Elite-Universitäten wie Harvard und Berkeley, eine lange Tradition. Die Israel on Campus Coalition (ICC) registrierte im Studienjahr 2014/15 insgesamt 1630 Vorfälle (Vorjahr: 138) an 181 Universitäten. »Universitäten sind ein Mikrokosmos«, sagt Rabbiner Russ Shulkes, Direktor der Studentenorganisation Hillel an der Emory-Universität in Atlanta. »Die meisten Studenten sind idealistisch, etwas naiv und interessieren sich im Grunde nicht für Politik.« Die, die es tun, seien vor allem im linksgerichteten Lager zu finden, wo sich die meisten Intellektuellen und Idealisten tummelten, sagt Shulkes. »Sie sind ›pro-Israel auf J-Street-Art«, sagt Shulkes, »das heißt, sie entscheiden, welche Politik die beste für Israel ist, wollen Israel gewissermaßen vor sich selbst schützen.«

Diese Studenten und viele Experten, klagt Shulkes, verkennen, dass BDS in Wahrheit einen Feldzug gegen den jüdischen Staat führt, um die palästinensisch-arabischen Ansprüche mit dem unvermeidbaren Ergebnis zu erfüllen, die Existenz Israels als jüdischen Staat zu beenden – in Shulkes’ Augen ein klares judenfeindliches Statement. »Israelkritik ist eine Sache, Antisemitismus eine andere«, sagt der Hillel-Direktor mit Nachdruck. »BDS will Israel nicht verändern, sondern vernichten.«

GEfühle Die Unterstützung der BDS-Bewegung speise sich vor allem aus Emotionen, nicht aus Fakten, so Shulkes. Studenten ließen sich »von den toten palästinensischen Babys im Fernsehen« blenden. »Israel als Apartheidstaat zu bezeichnen, ist nicht rational. Es mag ein paar Argumente dafür geben, aber mindestens 500 dagegen.« ICC-Direktor Jacob Baime bringt es auf den Punkt: »Wenn Menschen die Fakten hören, bricht BDS zusammen.«

An dieser Unkenntnis setzt Hillel an – mit einer BDS-Unterrichtsreihe, an der sich Dozenten verschiedener Fachrichtungen beteiligen und Fragen beantworten wie: Was können wir tun? Wie sollen wir auf BDS antworten? Shulkes und seine Mitstreiter setzen auf Aktion statt Reaktion. Dem von BDS propagierten negativen Bild von Israel setzen sie ein positives entgegen. »Viele Studenten halten Israel für einen unheimlichen Ort«, sagt Shulkes. »Wir wollen, dass sie Israel schätzen und schützen lernen.« Deshalb bringt Hillel jedes Jahr mehr als 200 Studenten nach Israel – mit akademischen Austauschprogrammen, Praktika und »Birthright«-Reisen. Außerdem bietet Hillel Curricula für jüdische Studien an und lädt israelische Gastwissenschaftler ein.

vorbildeffekt Jacob Levkowicz, Vizedirektor für Campusangelegenheiten beim American Jewish Committee (AJC), führt den Erfolg von BDS auf den zunehmenden Druck der Palästinenser auf Israel und seine Politik und einen starken Vorbildeffekt zurück – »ein Campus imitiert den anderen«. Levkowicz, dessen Position als Reaktion auf die wachsende Zahl von BDS-Vorfällen an amerikanischen Universitäten geschaffen wurde, setzt wie Shulkes auf Aufklärung, Dialog und persönliche Beziehungen. AJCs »Project Interchange« gibt Meinungsträgern aus Regierung, Medien, Gesellschaft und Erziehung die Gelegenheit, israelische und palästinensisch-arabische Führungspersönlichkeiten und Experten zu treffen sowie strategische Brennpunkte, historische und religiöse Stätten in Israel zu besuchen, um sich so ein fundiertes Bild zu machen.

Abraham Foxman, ehemaliger Direktor der Anti-Defamation League (ADL), hält Aufklärung für wichtig, will aber auch die tatsächlichen Beziehungen mit Israel stärken – in der Wirtschaft, aber auch in der akademischen und kulturellen Welt. Anti-BDS-Gesetzen, wie sie in zwei Bundesstaaten bereits erlassen und in weiteren 18 geplant sind, steht Foxman skeptisch gegenüber: »Ein gesetzliches BDS-Verbot würde das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzen und die BDS-Anhänger ungewollt zu ›Opfern‹ machen, was ihre Popularität vermutlich noch steigern würde«, so Foxman.

Dennoch hat die Gesetzgebungsinitiative inzwischen eine internationale Dimension erreicht. Der US Congress hat gerade einen Zusatz zu den Richtlinien für die gegenwärtig verhandelten Freihandelsabkommen gebilligt, der die USA verpflichtet, bei den Verhandlungsgesprächen Boykottversuche der Handelspartner gegen Israel zu unterbinden.

Schaden Experten sind sich einig: Der potenzielle wirtschaftliche Schaden, den die Bewegung Israel zufügen könnte, wäre beachtlich. Aber: »Die Hauptgefahr von BDS besteht darin, dass sie jeden einschüchtert, der Sympathie für Israel bekundet, hinreist oder sich zu seinem Jüdischsein bekennt«, schrieb Natan Sharansky, Chef der Jewish Agency, kürzlich in der Jerusalem Post.

Die Bemühungen von Hillel, AJC und anderen pro-israelischen Gruppen tragen Früchte. So verzeichnete ICC einen Anstieg von Pro-Israel-Aktivitäten und berichtet von 3753 Aktionen pro-israelischer Gruppen an 213 Hochschulen. Dennoch sieht die Organisation keinen Grund zur Entwarnung. »Die Medienberichte, in denen davon die Rede ist, dass BDS die Macht an amerikanischen Hochschulen übernimmt, mögen angesichts der Fakten übertrieben sein«, heißt es in ihrem Bericht. »Wenn der derzeitige Trend an Hochschulen anhält, könnte diese Schreckvision allerdings der Realität gefährlich nahe kommen.«

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