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Rosch

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

03.09.2015 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Zu Rosch Chodesch, dem Fest des Neumonds zu Beginn eines jeden jüdischen Monats, spricht man das Hallel als Teil des Morgengebets. Ein Bestandteil des Hallel ist Psalm 118, in dem es heißt: »Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er wurde zum Eckstein.« Im hebräischen Original heißt es: »Ewen ma’asu haBonim, hajeta le Rosch Pina.« Der Eckstein ist hier die Übersetzung von »Rosch Pina«, und das sprechen wir zu Rosch Chodesch.

In beiden Wendungen begegnet uns das Wort »Rosch«. Rosch Chodesch bedeutet gemeinhin »Monatsanfang«, wird aber zuweilen mit »Haupt des Monats« übertragen. »Rosch« wird nämlich in der Regel einfach mit »Kopf« übersetzt oder etwas lyrischer mit »Haupt«.

Die Übersetzung von »Rosch Chodesch« mit »Haupt des Monats« zeigt den Versuch, das Wort »Rosch« stets einheitlich ins Deutsche zu übertragen. An der Übersetzung von »Rosch Pina« sehen wir aber nun, dass dies nicht immer gelingen kann. Das »Haupt der Ecke« müsste man hier übersetzen, denn Pina bedeutet »Ecke«. Hier ist aber der »Eckstein« gemeint.

Facetten Werfen wir also einen genaueren Blick auf das Wort »Rosch« und seine Facetten. Menschen und Tiere haben einen Rosch – einen Kopf. Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873) schreibt in seinem Hebräischen und chaldäischen Schul-Wörterbuch über das Alte Testament, das Wort bedeute eigentlich »Spitze« und deute auf das Hin- und Herbewegen des Kopfes hin.

Zu Rosch Haschana, dem Neujahrsfest, das wir in diesem Jahr vom 13. bis 15. September begehen, wünschen wir uns, dass wir »Rosch« sind und nicht das Ende des Geschöpfs. Deshalb ist es Brauch, an diesem Tag einen Fischkopf zu essen. Wir wollen vorne mit dabei sein, und wir wollen die Dinge so handhaben, dass wir sie mit dem Kopf zuerst erfassen und der »Rest« dann folgt. Wir wollen nicht umgekehrt unser Leben und unsere Wertvorstellungen den Umständen anpassen.

Rosch Haschana Im Umfeld von Rosch Haschana sind wir natürlich auch bei einer anderen Bedeutung des Wortes »Rosch«. So wie »Rosch Chodesch« der Beginn des Monats ist, ist »Rosch Haschana« der Beginn des Jahres. Der Jahresanfang und der Kopf des Menschen sind vorn im Jahr und am Körper, damit haben wir eine weitere Bedeutungsfacette erhalten.

Denken wir auch an aktuelle Formulierungen: Der »Rosch Jeschiwa« ist der Leiter einer Jeschiwa und der Rosch Beit Din der Vorsitzende eines Gerichts. Hier ist der Rosch jeweils derjenige, der über den anderen steht – an exponierter Stelle. Im biblischen Buch Diwrej Hajamim II ist »Kohen HaRosch« der Hohepriester (19,11).

Wir fügen noch eine Bedeutungsebene hinzu: Im 1. Buch Mose 8,5 wird beschrieben, bis wohin die Wassermassen bei der Sintflut stiegen. Nämlich bis an die »Raschej HeHarim«, die Spitzen der Berge. Hier hat der Berg einen Rosch – das ist die Spitze. In Psalm 137,6 ist »Rosch Simcha« die höchste Freude – man ahnt eine Ähnlichkeit zum Begriff »Gipfel«. Bei Jeschajahu 7,8 ist Damaskus Rosch von Aram, also die Hauptstadt.

Anfang Bei Jechezkel 16,25 hat »Rosch« die Bedeutung von »Anfang« – hier ist es der »Rosch Derech«, der »Anfang des Weges« – so wie Rosch Chodesch der Anfang des Monats und Rosch Haschana der Anfang des Jahres ist. Wir sehen also, dass ein scheinbar simpler Begriff mehr Facetten in sich birgt, als man zunächst vermuten würde.

Was sagt das über unseren Rosch? Er ist nicht einfach nur ein Körperteil, sondern er sitzt ganz oben. Von ihm sollte alles ausgehen, er sollte an vorderster Stelle stehen. Wir handeln vernünftig. Das gilt auch für den Rosch einer Jeschiwa, eines Gerichts oder einer Gemeinde.

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