EMG 2015

Auf die Plätze ...

Wie sich vier Berliner Sportler auf die Europäischen Makkabi-Spiele vorbereiten

Aktualisiert am 02.07.2015, 18:08 – von Philipp FritzPhilipp Fritz

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Es klickt und klackt hin und her. Alexander Iskin holt kurz aus und feuert den Ball über die Tischtennisplatte in Richtung seines Sparringpartners. Und wieder macht es klick-klack, klick-klack. Das Spieltempo ist atemberaubend. »Wir machen uns zuerst warm«, sagt Iskin. Der 25-Jährige trainiert derzeit dreimal in der Woche für die 14. European Maccabi Games (EMG), die in diesem Jahr erstmals in Berlin ausgetragen werden. Zwischen dem 27. Juli und dem 5. August messen sich auf dem Gelände des Olympiaparks im Westen der Stadt über 2000 jüdische Sportler in 19 Disziplinen.

In der Halle der Nord-Grundschule in Berlin-Zehlendorf ist Iskin der Einzige, der immer noch einen Pullover anhat. Er kommt ins Schwitzen. »Jetzt wird richtig gespielt.« Iskin schlägt den Ball mit einer schnellen Aufwärtsbewegung – ein Topspin, Punkt für ihn. Das sei es, sagt er, was den Reiz am Tischtennis ausmache: Schnelligkeit, Antizipation, etwas auf den Punkt genau zu tun.

hobby »Sport ist das Gegenteil von Kunst, die davon geprägt ist, sich fallen zu lassen.« Iskin ist professioneller bildender Künstler. Wegen seines Berufs musste er im Sport kürzer treten: Iskin spielte früher in der Schülernationalmannschaft. Nach einer Ausstellung in seiner Heimatstadt Goslar wurde der Skandalkünstler Jonathan Meese auf ihn aufmerksam. Nach seinem Abitur zog Iskin nach Berlin und wurde von Meese und dem im vergangenen Jahr verstorbenen Maler Herbert Volkmann gefördert. Tischtennis war fortan nur noch ein Hobby.

Trotzdem ist es Iskin wichtig, bei den jüdischen Europameisterschaften in Berlin dabei zu sein. »Ich habe lange nachgedacht«, erzählt er. »Die Makkabiade hat zionistische Ursprünge, das sehe ich kritisch.« Aber es sei notwendig, in Berlin dabei zu sein und zu zeigen, dass ein neues Judentum in Deutschland über die Vergangenheit triumphiert – gerade im Olympiapark mit seiner Nazi-Geschichte.

Auch für Mirjam Rosenstein sind die European Maccabi Games in Berlin etwas Besonderes. Die 35-Jährige, die für das deutsche Team in der Disziplin Dressurreiten antritt, sitzt in einem Vereinsheim in der Nähe der Waldbühne auf dem Olympiagelände. Gleich wird sie eine Trainingseinheit mit ihrem Holsteiner Graham absolvieren. »Dass jüdische Spiele an einem Ort ausgetragen werden, von dem jüdische Sportler einst ausgeschlossen waren, hätte vor einiger Zeit wohl niemand für möglich gehalten«, sagt sie. Zudem sei vielen Menschen die Bedeutung von Juden im deutschen Sport nicht bewusst, auch würden deren Leistungen nicht entsprechend gewürdigt. Die Spiele seien eine schöne Gelegenheit, diesen Aspekt der Geschichte bekannt zu machen, findet Rosenstein.

heimvorteil Die Volkswirtin lebt seit zehn Jahren in Berlin. Sie arbeitet für ein Pharma-Unternehmen, leitet einen Verein und hat Familie. Und trotzdem schafft sie es, sich auf die EMG vorzubereiten. »Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, an den Spielen teilzunehmen«, erzählt die Dressurreiterin. Aber dann hat sie sich von der Tierärztin überreden lassen.

Mit ihrem Pferd Graham betreibt sie das sogenannte Vielseitigkeitsreiten, eine Form des Pferdesports, die aus drei Teildisziplinen besteht. Im Zuge der EMG findet nur das Dressurreiten statt, was nicht leicht für Graham ist. Dem Pferd tropft häufig Speichel aus dem Maul – beim Dressurreiten, bei dem der äußere Eindruck zählt, gibt es dafür Punktabzüge.

Deswegen tritt Rosenstein mit einem anderen Pferd an, mit Durengo, einem Dressurpferd. »Oft konnte ich mit Durengo zwar nicht trainieren, aber die anderen Teilnehmer haben teilweise auch Leihpferde, die sie nur einmal vorher reiten dürfen. Das wird schon.« Rosenstein hat schließlich einen Heimvorteil.

ansporn Dieser ist bei einer anderen Sportart sogar noch entscheidender: nämlich beim Golf. Ariel Abaew kennt den Platz für das Turnier; das dürfte für die wenigsten seiner Gegner gelten. Der 44-Jährige steht auf dem Grün des Golfclubs Stolper Heide bei Berlin. Abaew holt aus, trifft, der Ball ist drin. Seit zwei Jahren bereitet Abaew sich schon auf die EMG vor. »Ich wollte unbedingt dabei sein«, sagt er. »Als ich erfahren habe, dass die Spiele in meine Heimatstadt kommen, habe ich angefangen, mein Handicap zu verbessern.« Darin drückt sich die Spielstärke eines Golfers aus. Um an den Spielen teilzunehmen, ist ein Handicap von 18 vorgeschrieben.

Für Abaew ist es nicht die erste Makkabiade. Er war bereits in Israel und Amsterdam dabei, allerdings als Basketballspieler. »Nach mehreren Verletzungen und Operationen musste ich über eine Alternativsportart für mich nachdenken«, erzählt er. Es wurde Golf, eine anspruchsvolle Sportart, die viel Geschick und Erfahrung erfordert. Abaew spielt seit fünf Jahren. Nun hat er einen Individualtrainer, der den Platz kennt und ihn gezielt auf die EMG vorbereitet.

»Für mich«, sagt Abaew, »ist die Makkabiade ein sportliches Highlight«. Dass sie in Berlin stattfindet, in diesen historisch aufgeladenen Sportstätten, gebe ihr noch mehr Bedeutung. »Wenn wir zur Eröffnungsfeier auf der Waldbühne einlaufen, dann wird das ein Gänsehautmoment«, sagt er.

fechtstil Auf diesen freut sich auch Ruslan Satschkow. Der Fechter zog als Kind mit seinen Eltern von Odessa nach Deutschland. »Weil ich Jude bin, durfte ich mit meiner Familie nach Deutschland kommen, deswegen freue ich mich auf die Spiele«, sagt der 28-Jährige und fügt stolz hinzu: »Jüdische Spiele in meinem Land!« Seit seinem elften Lebensjahr fechtet Satschkow mit dem Säbel.

In Rostock, wo er aufgewachsen ist, trainiert er bis heute, obwohl er mit Frau und Kind in Berlin lebt. »Ich könnte meinem Trainer niemals untreu werden«, sagt er. Dieser habe damals den Verein in Rostock aufgebaut – heute TuS Makkabi Rostock – und Satschkow und seine Freunde im russischen Stil trainiert. »Wir wurden ordentlich rangenommen«, beschreibt der Fechter sein Training im Rückblick. Es scheint geholfen zu haben. Mit zwei weiteren Vereinsmitgliedern hat Satschkow beim Deutschlandpokal den zweiten Platz belegt.

Bei aller Vorfreude gibt es allerdings eine Sache, die Satschkow wundert: Für die Makkabiade wird zu wenig geworben, findet er. »Das Thema könnte ruhig häufiger durch die Presse gehen«, sagt er. »Sportler aus aller Welt kommen nach Berlin, das muss man sich einmal vorstellen! Das wird ein großartiges Fest.«

Die Jüdische Allgemeine wird in den kommenden Ausgaben weiter über das Training der vier EMG-Sportler berichten.

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