Wieso, Weshalb, Warum

Lejnen

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

12.03.2015 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Lejnen ist die volkstümliche Bezeichnung der aschkenasischen Juden für die rituellen Rezitationen und Kantillationen der heiligen Texte der Tora, wie auch der Megillot in den G’ttesdiensten am Schabbat und an den Feiertagen in der Synagoge. Da die Texte der Tora und der Megillot nur aus Konsonanten bestehen, also nicht vokalisiert oder mit Betonungszeichen versehen sind, übernimmt das Lejnen meist ein von der Gemeinde betrauter, kundiger Toravorleser, ein Ba’al Kore.

Ba’al Kore Die Bibeltexte in den gedruckten Ausgaben sind mit speziellen Notenzeichen oder Markierungen dargestellt. Diese werden auf Hebräisch Ta’amei Hamikra oder einfach Te’amim genannt. Der Ba’al Kore muss sich also die korrekte Form des jeweiligen Bibeltextes und der Te’amim einprägen, weil man von ihm eine einwandfreie Rezitation in der Synagoge erwartet.

Der vornehmliche Sinn der Betonungszeichen ist es, das Singen der heiligen Texte im öffentlichen G’ttesdienst würdig und gut vernehmbar vorzutragen. Jedes Wort des Textes hat ein Betonungszeichen und eine musikalische Phrase, die angibt, wie das betreffende Wort vorgetragen werden soll. Die Wurzeln der Kantillation liegen in der Sprache selbst: Die Klanggestalt der Rede wird durch musikalische Formeln stilisiert und ist somit ein Sprechgesang. Die Kantillation geht auf die Rhetorik der klassischen Zeit zurück und war sozusagen der »Lautsprecher der altertümlichen Gemeinden«.

Melodie Das Verständnis dieses Sachverhalts wird dadurch erschwert, dass es Worte gibt, die überhaupt keine oder manchmal sogar zwei Markierungen haben. Die musikalische Bedeutung einiger Markierungen hängt immer vom Kontext ab. Es gibt verschiedene Zusammensetzungen von musikalischen Phrasen, die auf diverse Abschnitte der Tora anspielen oder mit ihnen assoziiert sind. Die Melodie der Vorlesung variiert je nach jüdischen Traditionen und individuellen kantoralen Vorlesungsarten.

Die Kantillationszeichen dienen dazu, den Vortrag des Toravorlesers zu steuern, damit er die Texte korrekt und gut vernehmbar lejnen kann. Die Vortragsweise ist technisch gesehen eher eine ritualisierte Form der Rede oder Intonation und keine musikalische Übung, wie das Singen metrischer Hymnen. Daher spricht man eher vom »Aufsagen« oder »Lesen« einer Passage, als vom »Singen« des Textes.

Das jiddische Wort »Lejnen« ist vermutlich vom lateinischen Verb »legere« (lesen) abgeleitet. Viele Begriffe wurden aus dem kirchlichen Bereich in den jüdischen Kultgebrauch übernommen. Andere Quellen leiten das Wort »Lejnen« vom lateinischen »Cantilena« (Liedchen oder Singsang) ab.

Handzeichen Es gibt Belege dafür, dass früher in manchen Gemeinden der Synagogenvorsteher (Gabbai), der an der Bima die Toralesung überwacht, dem Leser die Markierungen der vorzutragenden Toratexte mit der Hand anzeigte. Im Talmud (Berachot 62a) erwähnt Rabbi Nachman Bar Jizchak, dass diese Zeichen mit der rechten Hand gegeben wurden. Dies erwähnt auch Raschi im 11. Jahrhundert in einem Kommentar.

Wir kennen in den Melodien der biblischen Texte sogar mehrere grundlegende, unterschiedliche musikalische Darbietungsformen. Die wesentlichen sind die Toravorlesung, die Vorlesung der Haftarot an den Schabbattagen des Jahres, ferner die Lesung des Buches Esther an Purim, die der Klagelieder (Echa) an Tischa beAw, des Hohenlieds (Schir Haschirim) an Pessach, des Buches Ruth an Schawuot und des Buches Kohelet an Schemini Azeret. Selbst an Rosch Haschana und Jom Kippur verwenden wir zur Toravorlesung eine besondere Melodie.

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