Wieso Weshalb Warum

Baal Kore

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

11.09.2014 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Das haben Sie bestimmt in dieser Zeitung schon gelesen – sofern Sie gelegentlich einen Blick in die Annoncen werfen: »Gemeinde XY sucht Vorbeter und Baal Kore«. Was ist das eigentlich?

Der Baal Kore ist eine Person, die sich besonders gut mit der Lesung der Tora auskennt und nicht nur den hebräischen Text fehlerfrei lesen kann, sondern auch mit den Te’amim vertraut ist. Das sind Zeichen im vokalisierten Text der Tora, die angeben, wie gesungen werden soll.

Es ist eine Ehre, zum Lesen der Tora aufgerufen zu werden. Aber auch, wenn die aufgerufene Person das Lesen selbst meistern würde, liest doch der Baal Kore für den Aufgerufenen, so erklärt es jedenfalls Rabbiner Josef Karo (1488–1575) in seinem Schulchan Aruch (Orach Chajim 135). Die aufgerufene Person solle dann leise mitlesen.

Der Baal Kore kennt sich mit allen religiösen Vorschriften aus, die die öffentliche Toralesung betreffen. Er weiß, was zu tun ist, wenn er sich verlesen hat oder wenn es Besonderheiten mit der Lesung gibt. Für all das wird der Baal Kore geschätzt.

Respekt Der Talmud Jeruschalmi (Megilla 4,1) setzt die Toralesung in der Synagoge mit dem Wiedererleben der Toraübergabe am Sinai gleich. Das erfordert von den Anwesenden großen Respekt und macht den Baal Kore zum Übermittler der Tora.

Zu Zeiten des Talmuds gab es dieses Amt allerdings noch nicht. Wer auch immer einen Aufruf zur Tora erhielt, las selbst. Dieser Brauch wurde von einigen Gemeinden, vor allem in der Türkei und in Griechenland, bis ins 16. Jahrhundert beibehalten. Aus aschkenasischen Gemeinden ist nur der Brauch bekannt, dass ein Leser für alle Aufgerufenen liest.

Wir sprechen beim Baal Kore also über einen Experten in Sachen Toratext. »Baal« bedeutet so viel wie Eigentümer, Besitzer oder Meister – so wie der Baal Schem der »Meister des (göttlichen) Namens« ist oder der Baal HaBajit der Hausherr. Baal Schem und Baal HaBajit haben grammatikalische Gemeinsamkeiten: In beiden Fällen wird Baal von einem Nomen begleitet. Nach dieser Regel müssten wir im Falle des Toralesers eigentlich von einem »Baal Kria« sprechen, einem Meister der Lesung. Kore ist jedoch eine Partizipform des Verbs likro und bedeutet so viel wie »lesend« – Baal Kore heißt also »Meister, lesend« oder »lesender Meister«, was allerdings gegen die Regel verstößt, dass ein Meister immer von einem Nomen begleitet wird.

Es sei gesagt, dass auch Gemeinden ohne Baal Kore aus der Tora lesen dürfen: Dann reicht jemand aus, der den hebräischen Text fehlerfrei lesen kann. Die Details dazu kennt jeder örtliche Rabbiner.

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