Wieso Weshalb Warum

Chasak

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

10.07.2014 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Die Tora besteht aus fünf Büchern. Demnach gibt es fünf Wochenabschnitte, die jeweils am Ende eines Buches stehen – das macht sich während der Toralesung in der Synagoge auch bemerkbar und wird besonders hervorgehoben: Wenn der letzte Abschnitt eines Buches beendet ist, spricht die Gemeinde, gefolgt vom Ba’al Korei, der den Abschnitt gerade gelesen hat, laut: »Chasak, chasak wenitchasek« (Sei stark, sei stark – und wir sollen gestärkt sein!).

Ba’al Korei So ist das jedenfalls bei aschkenasischen Juden. Bei den Sefarden gibt es das »Chasak« zwar auch, aber die Beter wünschen es dem Ba’al Korei persönlich – allerdings nicht nur am Ende eines Buches, sondern nach jeder Toralesung. Meist sprechen sie ihn mit »Chasak« (Sei stark!) an oder mit »Chasak u’baruch« (Sei stark und gesegnet!). Es scheint die Funktion eines »gut gemacht« zu haben oder, in Zeiten von Facebook, eines »Gefällt mir«-Buttons.

Dabei ist die Formulierung nicht zufällig gewählt. Sie stammt aus dem Buch Jehoschua (1,9). Dort sagt G’tt zu Jehoschua: »Chasak we’ematz« (Sei stark und mutig!). Im Satz zuvor heißt es: »Dieses Buch der Tora soll niemals deinen Mund verlassen« (1,8).

Für viele Kommentatoren war das Wort »dieses« ein Hinweis darauf, dass Jehoschua möglicherweise eine Tora in seinen Händen hielt, als dies zu ihm gesagt wurde. Nach Rabbiner David Abudarham aus Sevilla (14. Jahrhundert) ist das auch der Grund, warum man nach einem gelesenen Buch diese Worte spricht, denn laut dem Talmud vollendete Jehoschua gerade nach Mosches Tod die letzten Verse der Tora und hielt sie nun in den Händen (Menachot 30a).

Brauch Wann dies aber zu einem Brauch wurde, ist heute nicht mehr ganz klar. Die älteste Aufzeichnung dazu stammt von Rabbiner Abraham ben Nathan Ha Jarchi (1155–1215). Er beschreibt in seinem Sefer ha-Manhig (um 1220), dass es bei diesem Brauch Unterschiede zwischen Gemeinden in der Provence und denen in Spanien gab: Bei ihm zu Hause in der Provence war es üblich, das »Chasak« nach jedem Abschnitt zu sagen, während es, wie er schreibt, in Spanien nur am Ende eines ganzen Buches der Tora gesagt wurde.

Beim Inhalt der Formel fällt auf: Während »chasak« sich auf nur eine Person zu beziehen scheint, hat »wenitchasek« (und wir sollen gestärkt sein) die gesamte Gemeinde im Blick. Das kann heute so interpretiert werden, dass die Gemeinde darin »bestärkt« werden soll, wieder zu diesem Buch der Tora zurückzukehren und die Tora zu halten. So wie Mosche am Ende der Tora (31, 7 und 23) zu Jehoschua sagt: »Chasak we’ematz« (Sei stark und mutig!) – und an das gesamte Volk gerichtet (31,6): »chisku we’imtzu« (Seid stark und mutig!).

Mystik Es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch eine mystische Interpretation gibt: Wenn man die hebräischen Buchstaben des Wortes »Chasak« zusammenzählt, erhält man den Zahlenwert 115. Da man es dreimal spricht, erhält man 345. Dies ist der gleiche Zahlenwert, den das Wort »Mosche« hat – derjenige, der Israel die Tora gebracht hat.

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