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Zehnt

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

Aktualisiert am 10.02.2017, 10:45 – von Chajm GuskiChajm Guski

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An Tu Bischwat, dem 15. Tag im Monat Schwat, ist das »Neujahrsfest der Bäume«. Es ist auch ein Tag, der für Abgaben eine wichtige Rolle spielt. Die Mischna deutet dies bereits an und führt den Begriff »Ma’aser« ein, den Zehnten: »Vier Neujahrstage gibt es: am 1. Nissan das Neujahr für Könige und für die Feste, am 1. Elul das Neujahr für den Ma’aser des Viehs (...). Am 1. Tischri ist Neujahr für die Jahre und die Schabbat- und Joweljahre, für das Pflanzen und fürs Gemüse. Am 1. Schwat ist das Neujahr der Bäume, so sagt das Haus Schammajs, das Haus Hillels sagt, am 15. Schwat« (Rosch Haschana 1,1). Das Haus Hillels hat sich durchgesetzt.

Ma’aser Der Begriff Ma’aser zeigt, dass es nicht darum geht, wer in welcher Reihenfolge Neujahr begeht. Vielmehr werden Tage bestimmt, die wir für die Berechnung von Abgaben benötigen. Anders gesagt: Termine für die Steuerberechnung.

Zu Zeiten des Tempels mussten alle, die einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, Steuern zahlen – sowohl für die tierischen Erzeugnisse als auch für die Ernte. Erst wenn der Landwirt sie angemessen versteuert hatte, waren die Produkte koscher. Dies galt allerdings nur für das Land Israel.

Zunächst wurde eine Abgabe mit der Bezeichnung »Truma« für die Kohanim, die Priester, abgezweigt. Dies entsprach einem Zehntel des Ertrags. Davon wiederum wurde der »Ma’aser rischon«, der »erste Zehnte«, für die Leviten genommen. Vom verbleibenden Ertrag wurde ein Zehntel als »Ma’aser scheni«, als »zweiter Zehnter«, genommen und in Jerusalem verzehrt. Es folgte ein »Ma’aser Ani«, ein »Armen-Zehntel«. Dies wurde allerdings nur für die Früchte des dritten und sechsten Jahres, die auf ein Schabbatjahr folgen, gefordert. Davon lesen wir schon in der Tora (5. Buch Mose 14,28).

Früchte Das Neujahrsfest der Bäume ist, wenn man so will, die Berechnungsgrenze für Früchte. Diese werden anders betrachtet als Gemüse, weil sie einen anderen Wachstumszyklus haben. Alle Früchte, die vor dem 15. Schwat gewachsen und geerntet worden sind, fallen in den Steuerzeitraum des letzten Jahres. Wenn es das dritte Jahr nach dem Schabbatjahr ist, dann muss davon Ma’aser Ani abgegeben werden. Wir rechnen also den Zeitraum vom 15. Schwat des Vorjahres bis zum 15. Schwat des aktuellen Jahres, um den Ertrag zu bemessen.

Der Mensch wird dazu angehalten, genau zu schauen, was in einem Jahr erwirtschaftet wurde, und muss davon einen Teil abgeben. Er kümmert sich also um den Ertrag des Landes und beschäftigt sich durch den Ma’aser Ani dann regelmäßig auch mit den Menschen, die in seiner Umgebung leben: Er ist gezwungen, sich um diejenigen zu kümmern, die sich von eigener Hände Arbeit nicht ernähren können.

Wurzeln »Der Mensch ist wie ein Baum auf dem Feld«, lesen wir in der Tora (5. Buch Mose 20,19). Und in den Sprüchen der Väter, den Pirkej Awot, heißt es: »Wessen Wissen größer ist als seine Taten, der gleicht einem Baum, dessen Zweige viele sind und dessen Wurzeln wenig. Ein Wind kommt und entwurzelt ihn und stürzt ihn um auf seine Krone. (…) Aber wessen Taten zahlreicher sind als sein Wissen, der gleicht einem Baum, dessen Zweige wenig und dessen Wurzeln viel sind. Selbst wenn alle Winde der Welt kommen und gegen ihn wehen, bewegen sie ihn doch nicht von der Stelle« (3,22).

Es geht also nicht nur um den sichtbaren Erfolg, die sichtbare Krone, sondern auch um die »Verwurzelung« in dem, was die Tradition an Verhalten für eine gerechte Gesellschaft vorgibt. Der Ma’aser ist ein Hilfsmittel dafür.

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