Wieso Weshalb Warum

Batel beSchischim

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

17.10.2013 – von Noemi BergerNoemi Berger

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

»Batel beSchischim« ist ursprünglich ein Begriff aus der rabbinischen Literatur, aus dem Talmud und dem Schulchan Aruch. Man spricht davon, wenn eine geringfügige Menge eines Lebensmittels mit einer größeren Menge eines anderen Nahrungsmittels vermischt wird und man das Ganze so betrachtet, als würde die geringfügige Menge überhaupt nicht existieren.

Volumen Ein Beispiel: Wenn ein paar Tropfen Milch in Hühnersuppe fallen, aber das Volumen der Hühnersuppe mindestens 60-mal größer ist als das Volumen der Milch, dann ist die Suppe dennoch zum Verzehr erlaubt, da die Menge der Milch so gering ist, dass wir von »Batel beSchischim« sprechen können. Es wird so betrachtet, als ob die Milch nicht vorhanden wäre.

»Batel« ist verwandt mit dem Wort »Bitul« (»annullieren«). »Batel beSchischim« – wörtlich übersetzt: »annulliert in 60« – besagt, dass das versehentliche Vermischen oder Vermengen von einem sechzigsten Teil zu gering ist, um das Lebensmittel oder Geschirr in einen unkoscheren Zustand zu versetzen – vorausgesetzt, diese Vermischung geschah zufällig, also unbeabsichtigt und nicht vorsätzlich!

Mischna Ein anderer Fall: Die Mischna besagt, dass nicht nur unkoschere Speisen zum Verzehr verboten sind, sondern alles, was nach diesen Speisen schmecken könnte (Ta’am). Doch woher sollen wir wissen, wie das Essen schmeckt, wenn etwas nicht Koscheres unabsichtlich darin vermengt wurde, da wir es doch nicht kosten dürfen?

Fällt also etwas nicht Koscheres in einen Topf mit Koscherem, und man geht davon aus, dass die Menge des koscheren Produkts 60-mal größer ist als das nicht koschere Produkt, dass also der Geschmack des nicht koscheren Teils nicht mehr nachweisbar ist, so ist die Speise dennoch zulässig.

Wenn aber eine nicht koschere Zutat als Aromastoff bewusst hinzugefügt wird – zum Beispiel bei Eiscreme –, ist die entstandene Mischung verboten, auch wenn diese Zutat weniger als ein Sechzigstel der Mixtur ausmacht, denn der Aromastoff gibt der ganzen Speise Geschmack (»noten Ta’am«).

Üblicherweise geht es bei Batel beSchischim um Volumen und nicht um Gewicht. Das bedeutet: Das Volumen des Koscheren muss 60-mal größer sein als das Volumen des Nichtkoscheren.

Wenn aber die Menge des Koscheren schätzungsweise weniger als 60-mal die des nicht koscheren Essens umfasst (das Nichtkoschere macht also mehr als 1,6 Prozent der gesamten Mischung aus), ist die Speise nicht koscher – auch nachdem das Nichtkoschere entfernt wurde. Denn es wird angenommen, dass der unerlaubte Geschmack weiterhin vorhanden ist.

Das Gleiche gilt für Milch und Fleisch. Wenn ein Stück Fleisch in Milch fällt, darf das Fleisch nicht mehr als ein Sechzigstel der Mischung betragen, und die Milch bleibt koscher. Beträgt der Anteil des Fleisches aber mehr als ein Sechzigstel der Milch, wird die gesamte Mischung treif.

Annullieren Es gibt aber auch Fälle, bei denen sich auf keinen Fall etwas »annullieren« lässt, sogar wenn es sich nicht nur um das Sechzigfache, sondern sogar um das Tausendfache handelt. Ein klassisches Beispiel hierfür ist, wenn bei der Käseherstellung tierisches Lab verwendet wird. Ohne die chemische Reaktion, die durch das Lab entstanden ist, gäbe es keinen Käse. Daher ist das fertige Produkt nicht koscher – auch wenn es 60-mal mehr Milch enthält als Lab.

Wenn man absichtlich nicht koscheres Essen mit koscherem Essen vermischt – auch wenn es sich nur um eine kleine Menge handelt –, ist diese Speise verboten. Ebenso verhält es sich mit Milch oder Fleisch. Jede verbotene Vermengung, die vorsätzlich geschieht, ist nicht zulässig und macht die Speise treif.

Chametz Bei Chametz an Pessach verhält es sich ebenso. Die kleinste Menge an Chametz, vermischt mit Kascher-LePessach-Produkten macht aus den Lebensmitteln oder Speisen Chametz.

»Batel beSchischim« ist eines der detailliertesten und komplexesten Themen im Talmud und im Schulchan Aruch. In dieser kurzen Betrachtung können die unzähligen Varianten von »Bitul« nicht umfassend erläutert werden, deshalb sollten Sie, wenn Sie konkrete Fragen haben, unbedingt Ihren zuständigen Rabbiner konsultieren und sich an seine sachkundige Entscheidung halten.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
14°C
wolkig
Frankfurt
12°C
regenschauer
Tel Aviv
28°C
heiter
New York
22°C
wolkig
Zitat der Woche
»Der Jude will aber offenbar an seinem Posten festhalten.«
Die Nachrichtenagentur Reuters über Donald Trumps Berater Gary Cohn