Wieso Weshalb Warum

Eruv

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

10.10.2013 – von Chajm GuskiChajm Guski

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Zu den 39 Arbeiten, die am Schabbat nicht erlaubt sind, zählt das Tragen. Dies bezieht sich nicht nur auf Lasten, sondern tatsächlich auf jeden Gegenstand, auch auf einen Schlüssel. Hier hat sich die Halacha etwas einfallen lassen: Der Schlüssel kann zu einem Teil des Gürtels werden und so mit sich geführt werden.

Gleiches gilt für einen Tallit: Wer ihn mit zur Synagoge nehmen möchte, kann ihn anziehen. Doch da enden im Prinzip die Ausnahmen. Aber was ist, wenn man einen Siddur, einen Kinderwagen oder Spielzeug für die Kinder mitnehmen möchte? Das Problem erkannte man bereits zu Zeiten der Mischna und des Talmuds. Aus diesem Grund gibt es den Eruv. Im Traktat Eruvin werden nahezu alle Details diskutiert.

Bereiche Die Halacha teilt die Welt in verschiedene Bereiche: Es gibt den öffentlichen (Reschut HaRabim), den privaten (Reschut HaJachid), und es gibt einen Bereich »Karmelit«, der weder privat noch öffentlich ist.

Der öffentliche Bereich ist leicht zu erkennen: Straßen, kleine Plätze, Wege aller Art und so weiter sind öffentliche Bereiche. Private Bereiche sind demgegenüber diejenigen, in denen man selbst lebt und wohnt und die von einem öffentlichen Bereich irgendwie abgegrenzt sind, in der Regel durch Mauern.

Um es ein wenig technisch zu formulieren, muss man sagen, dass »Tragen« definiert wird als Transfer eines Objekts von einem Bereich in den anderen. Man darf also keinerlei Gegenstand vom privaten in den öffentlichen Bereich übergeben und umgekehrt. Dies leitet sich übrigens aus dem 2. Buch Mose ab, in dem es heißt, dass man am Schabbat »seinen Ort« nicht verlassen dürfe (15, 25-29).

Zusätzlich ist der Transfer eines Gegenstands von einem privaten Bereich in einen anderen privaten Bereich nicht erlaubt. Das erklärt, warum auch das Schieben eines Kinderwagens als »Tragen« gilt.

Tragen wäre jedoch innerhalb eines privaten Bereichs erlaubt, und hier kommt der Eruv ins Spiel. Der Eruv wurde im Talmud als Struktur gedacht, die eine Ansammlung privater Bereiche mit öffentlichen Bereichen dazwischen durch eine gemeinsame Grenze herstellt. Die Menschen innerhalb dieses Bereiches gehören damit zu einem großen privaten Bereich und damit erklärt sich auch die Bedeutung des Wortes »Eruv«, was in etwa »zusammenbringen« oder »Mischung« bedeutet.

Draht Der Eruv besteht meistens aus einem Draht, der Konstruktionen miteinander verbindet, die man als Türpfosten bezeichnen könnte. Miteinbezogen werden können aber auch bereits vorhandene Strukturen, die Grenzen markieren, wie etwa Mauern, Stromkabel oder Flüsse.

Seen oder Friedhöfe können nicht in den Eruv eingeschlossen werden. Um diese müsste dann wiederum ein Eruv gelegt werden. Die Anzahl der einbezogenen Elemente bedeutet zugleich auch reichlich Aufwand zur Kontrolle, ob der Eruv auch lückenlos bleibt. Ist er beschädigt, muss überprüft werden, wer für das Element verantwortlich ist.

Häufig umfasst der Eruv eine große Fläche. In Wien ist er etwa 25 Kilometer lang und umfasst nahezu die gesamte Innenstadt – nicht nur den Bereich um die jüdische Gemeinde. Da gibt es viele Elemente zu überprüfen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man heute im deutschsprachigen Raum sonst nirgendwo einen Eruv findet.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Rosch Haschana 5778

Rosch Haschana 5778

Schana Towa!

Zum Dossier

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
17°C
regenschauer
Frankfurt
18°C
wolkig
Tel Aviv
29°C
heiter
New York
26°C
wolkig
Zitat der Woche
»Wir werden kein zweites Israel dulden.«
Der irakische Vizepräsident Nuri al-Maliki vor dem kurdischen
Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak Ende September