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Luach

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

29.08.2013 – von Rabbinerin Yael DeuselRabbinerin Yael Deusel

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»Vier Jahresanfänge gibt es«, lesen wir im Talmud: den 1. Nissan, weil dieser Monat in der Tora als der erste Monat bezeichnet wird; den 1. Elul als den Beginn des Steuerjahrs im einstigen Israel, den 15. Schewat als Neujahrsfest der Bäume, und eben den 1. Tischri, an dem wir demnächst Rosch Haschana feiern und das Jahr 5774 beginnen.

Lunisolar Nicht nur die Jahreszahl ist anders als im Kalender unserer Umgebung, sondern auch die Grundeinteilung eines solchen jüdischen Jahres. Während der gregorianische Kalender auf Sonnenjahren beruht und der muslimische auf Mondjahren, sind im Judentum Sonne und Mond in einem Lunisolarkalender vereint. Nissan, der Monat von Pessach, ist die Basis, von der aus zwölf Mond-Monate gezählt werden, jeder davon 29 beziehungsweise 30 Tage lang, was eine Jahreslänge von 354 Tagen ergibt. Zu diesem Mondfaktor kommt nun der Sonnenfaktor hinzu.

Der Pessach-Monat wird in der Tora als Fest im Frühling genannt; es existiert also eine jahreszeitliche Bindung der Feste. Sobald sich der Kalender durch den Mondfaktor so verschiebt, dass der Monat Nissan noch nicht in den Frühling fallen würde, wird ein ganzer Schaltmonat eingefügt, nämlich der Monat Adar II (Adar Bet).

Ursprünglich war der Frühling definiert durch die Zeit, in der bestimmte Pflanzen in der Natur zu beobachten sind. Einst war es Sache des Sanhedrin, sowohl über die Ausrufung des Neumonds (Rosch Chodesch) als auch über die Einschaltung des Schaltmonats in einem Jahr zu entscheiden. Heute existieren feste Regeln sowohl für den Beginn eines jeden neuen Monats als auch für die Einschaltung des zusätzlichen Monats. So sind Zyklen von jeweils 19 Jahren festgelegt, innerhalb derer sieben Schaltjahre liegen, nämlich die Jahre drei, sechs, acht, elf, 14, 17 und 19.

Der jüdische Kalender ist aber mehr als eine bloße technische Zeiteinteilung. Er hat auch eine tiefe religiöse Bedeutung, und er ist nicht nur eine von 613 Mizwot, sondern das erste Gebot überhaupt, das dem Volk Israel als ganzem Volk gegeben wurde.

Jahreszyklus Ganz konkret erging das Kalendergebot an Mosche, mit der Einteilung des Jahres in Monate, orientiert am Neumond und dem Jahreszyklus, bezogen auf den Pessach-Monat. Damit ist, wie wir bereits gesehen haben, der Pessach-Monat Nissan die Basis des Kalenders, auf der sich das ganze Jahr aufbaut. In der Tora wird der Nissan noch als der erste Monat bezeichnet; die Monatsnamen, wie wir sie heute kennen, erscheinen in der Tora nicht. Sie entstanden erst später, vermutlich in der Zeit des Babylonischen Exils.

Der jüdische Kalender erinnert uns daran, dass Mensch und Natur im Gleichgewicht leben sollen – dergestalt, dass keines von beiden den anderen beherrscht. Auch der Schabbat gemahnt uns an diesen Grundgedanken: Unter der Woche teilen wir uns den Tag ein in Arbeit und Freizeit, und wir gestalten ihn nach unseren eigenen Maßgaben. Am Freitagabend – dann, wenn der Schabbat beginnt – bestimmt die Natur den Tageslauf, mit Beginn und Ende des Schabbat, je nach der jahreszeitlich gegebenen Sonnenuntergangszeit.

Dem Menschen wird damit bewusst, dass er wohl einen Teil der Natur in seiner Hand hat, dass es aber auch Dinge gibt, auf die er als Mensch keinen Einfluss hat. Der Ewige allein ist der Schöpfer, Ihm untersteht alles. Er allein ist König und Gebieter über die Welt – und der Ewige ist unser Vater. Avinu Malkenu, unser Vater, unser König: Unter diesem Leitsatz stehen Beginn und Ende des jüdischen Jahres – und damit unser gesamter Luach.

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