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Psalm 27

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

15.08.2013 – von Rabbiner Joel BergerRabbiner Joel Berger

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Manche der Psalmen (Tehilim) unseres Tenach sind zeitlich unseren Wochenabschnitten und dem Kalender zugeordnet. Dies gründet zwar nicht auf gesetzmäßigen Bestimmungen, doch es ergänzt und bereichert die Bräuche der verschiedenen jüdischen Gemeinschaften. So wird Psalm 27 in aschkenasischen Gemeinden ab Rosch Chodesch (Monatsbeginn) Elul bis Hoschana Rabba, dem Ende des Sukkotfestes, jeweils am Ende des G’ttesdienstes morgens und abends vorgetragen. Dieser liturgische Brauch wird erstmals im Siddur von Rabbiner Jaakow Emden (1697–1776) aus Altona aufgeführt. In Osteuropa hat diesen Brauch der Kitzur Schulchan Aruch von Rabbiner Schlomo Ganzfried (1804–1886) verbreitet.

Verfehlungen In der Vorstellungswelt der gesetzestreuen Juden gelten die Tage zwischen Rosch Chodesch Elul bis nach Jom Kippur als ein Zeitraum, in dem wir uns auf die besondere Barmherzigkeit und Gnade G’ttes verlassen wollen. Aufgrund eines Midrasch wird auch angeführt, dass unser Lehrer Mosche am Rosch Chodesch Elul auf den Berg Sinai emporstieg, um die Tafeln des Bundes entgegenzunehmen. Er blieb 40 Tage lang dort oben und kam am 10. Tischri herab, an Jom Kippur, als der Herr die Verfehlungen der Ahnen sühnte.

Ferner ist es gemäß der rabbinischen Anordnung üblich, vom zweiten Tag Rosch Chodesch Elul an nach dem wochentäglichen Morgengebet auch Schofar zu blasen. Lediglich am Erew Rosch Haschana wird das Blasen unterbrochen, um zwischen der freiwilligen rabbinischen Anordnung und dem in der Tora gebotenen Schofarblasen gebührend zu unterscheiden.

Reue Die Schofartöne im Monat Elul bezwecken, dass die Angehörigen unseres Volkes die Gebote zur Reue und Umkehr beherzigen mögen. Als traditionelle Quelle und Begründung wird ein Vers aus dem Propheten Amos zitiert: »Bläst man das Schofar in einer Stadt, und wird das Volk nicht zur Besinnung kommen?« (3,6) Nach dem Schofarblasen wird Psalm 27 rezitiert: »Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?« (Vers 1). Als Begründung für diese Psalmlesung gerade zu dieser Jahreszeit erklären die Rabbiner die Bezugnahme von »Der Herr ist mein Licht« auf Rosch Haschana und »mein Heil« auf Jom Kippur. Die Verbindung zum Sukkotfest bringt Vers 5: »Denn Er beschützt mich in Seiner Hütte zur bösen Zeit.«

Psalm 27 wurde gewählt, um in diesem Monat der Buße und während der Zehn Tage der Ehrfurcht zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur unser Bangen angesichts des g’ttlichen Gerichtstags an den Hohen Feiertagen zu zerstreuen und in uns die Zuversicht und Ermutigung zu stärken. Die Erläuterungen mancher Rabbiner enthalten auch allegorische und kabbalistische Begründungen für die Lektüre dieses Psalms im Monat Elul. In Vers 13 heißt es: »Lule he’emanti lir’ot betuw Haschem be’Eretz Hachajim« – »Hätte ich nicht die Gewissheit, dass ich die Güte des Herrn im Land der Lebenden genießen dürfte«. Namhafte Rabbiner weisen darauf hin, dass das hebräische Wort »lule« verkehrt herum gelesen den Monatsnamen »Elul« ergibt und somit auch ein Hinweis auf den Monat der Buße und Umkehr ist.

Der wesentliche Gedanke in diesem Psalm steht in Vers 4 und sollte wegen seiner ethischen Kernaussage nicht außer Acht gelassen werden. Hier verkündet König David: »Um eines habe ich den Herrn gebeten: dass ich in Seinem Haus alle Tage meines Lebens wohnen darf, um Seine Gnade zu erleben.« Obwohl David ein turbulentes Leben geführt hat, erkennen wir in diesem Vers seine Frömmigkeit und den festen Glauben an G’tt.

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