Wieso Weshalb Warum

Schmirat Habriut

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

25.04.2013 – von Michelle BergerMichelle Berger

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Eine kurze Zusammenfassung der jüdischen Feiertage: »Sie wollten uns vernichten. Wir haben gesiegt. Lasst uns essen!« – so geht ein bekannter jüdischer Witz. Eingeweihte wissen, dass reichhaltiges Essen an jüdischen Feiertagen – außer an Jom Kippur – immer eine zentrale Rolle spielt. Unter diesen Umständen schaffen es nur wenige von uns, schlank zu bleiben.

Auf Dauer ist ein solcher Lebensstil leider nicht der gesündeste. Auch wenn es eine Mizwa ist, die Seudot, die obligatorischen Festmahlzeiten, einzuhalten, so ist es ebenfalls eine Mizwa, auf seine Gesundheit zu achten (Schmirat HaBriut). Die Tora macht uns unmissverständlich klar: »Passt gut auf euch auf und achtet auf euer Leben« (5. Buch Mose 4,9) sowie: »Achtet ganz besonders auf euer Leben« (4,15).

Unsere Weisen sehen diese Aussagen als deutliche Hinweise darauf, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um auf unsere Gesundheit zu achten und eventuellen Krankheiten vorzubeugen (Berachot 32b). Wie wichtig »Schmirat HaBriut« ist, wird dadurch unterstrichen, dass die Mizwa sowohl von Maimonides, Rambam (1138–1204), dem großen Gelehrten und Arzt, in seinen Hilchot Rozeach (11,4) als auch im Schulchan Aruch (Hoschen Mischpat 427, 8) kodifiziert wurde.

Rambam erklärt, dass man sich ohne gesunden Körper (das Gefäß unserer Seele) spirituell nicht entwickeln kann. Es sei deshalb sehr wichtig, regelmäßig Sport zu treiben und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten (Hilchot Deiot 4,1,2,14 und Schmone Perakim, Perek 5).

Lebensstil Rabbi Samson Raphael Hirsch (1808–1888) erläutert ebenfalls sehr detailliert, dass es strengstens verboten ist, sein Leben in irgendeiner Weise zu verkürzen: sei es durch Selbstmord, das Eingehen unnötiger Risiken, schlechten Lebensstil oder dadurch, dass man bei Krankheit nicht rechtzeitig zum Arzt geht (Horeb, S. 298-300). Er stützt sich damit auf Rambam, der davor warnt, das Leben eigenmächtig zu verkürzen und sich naiverweise auf ein g’ttliches Wunder zu verlassen (Pairusch Mischnajot Pessachim, Ende 4. Kapitel).

Das Konzept von »Pikuach Nefesch« (um ein Leben zu retten, etwas zu tun, das unter normalen Umständen strengstens verboten ist) unterstreicht die Wichtigkeit dieses Mandats (Chulin 9a; Choschen Mischpat 427; Jore Dea 116). So ist zum Beispiel sogar erlaubt, an Jom Kippur zu essen oder den Schabbat nicht zu halten, wenn es maßgeblich darum geht, Leben zu retten (Pesachim 25a und Terumat Hadeschen 1,58).

Des Weiteren hat jeder Mensch die moralische Pflicht, andere auf eventuelle lebensgefährliche Risiken hinzuweisen. (Schabbat 54b und Chofetz Chaim in Schemirot Halaschon). Folgt man der Tora und der Auslegung unserer Weisen, so müsste Präventivmedizin einen großen Teil unserer modernen Medizin ausmachen. Die Rabbinen verstehen den menschlichen Körper als Heiligtum, das es zu pflegen und zu hegen gilt (Taanit 11 a-b).

ernährung So geben sie viele wertvolle Tipps und Tricks in punkto Hygiene und Ernährung (Hulin 84a, Berachot 40a, Schabbat 50b), um Krankheiten von Anfang an zu vermeiden. Dies beinhaltet unter anderem das regelmäßige Händewaschen nach dem Toilettengang und Ratschläge wie: eine Stadt zu meiden, in der es kein öffentliches Bad gibt (Sanhedrin 17b), die Anweisungen, dass sich ein Grab mindestens 55 Ellen von einer Wohnung entfernt befinden muss (Baba Batra 2,9) und dass Straßen sowie Marktplätze sauber zu halten sind (Jalkut Schimoni 184).

Schon in der Tora lesen wir, dass Militärlager ihre Latrinen außerhalb aufstellen und die Soldaten alles hinter sich mit einem Spaten bedecken müssen (5. Buch Mose 23, 13–15). Leprakranke wurden außerhalb der Stadt in Quarantäne gesteckt (3. Buch Mose 15, 1–15; 4. Buch Mose 5, 1–4), und die Mizwa, die Hände vor einer Brotmahlzeit zu waschen (Schulchan Aruch, Orach Chajm 158–165), hat neben ihrer spirituellen Bedeutung ohne Zweifel auch einen hygienischen Vorteil.

Die Weisheit unserer Rabbinen hat sich immer wieder erwiesen. Also, im Sinne Rambams – genießen Sie demnächst Schawuot mit Magerquark!

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