Wieso Weshalb Warum

Nidda

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

14.03.2013 – von Michelle BergerMichelle Berger

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Bevor das Wort Emanzipation im westlichen Sprachgebrauch überhaupt aufkam, gab es im Judentum, dank der Familienreinheitsgesetze (taharat hamischpacha), schon lange das Mandat, Frauen nicht nur als willkürliches Objekt zu betrachten.

Die Ehe zwischen Mann und Frau ist wie ein Tempel, dessen Heiligkeit es aufrechtzuerhalten und zu respektieren gilt. Sobald bei der Frau die Menstruation einsetzt, wird sie gemäß dem jüdischen Gesetz als rituell abgesondert betrachtet (nidda). Die Reinheitsgesetze, die nichts mit körperlicher Hygiene zu tun haben, sind den rituellen Reinheitsgesetzen im Tempel nachempfunden und gehören zu den wichtigsten Geboten in der Tora überhaupt (3. Buch Mose 15,19).

Mann und Frau dürfen während dieser Zeit keine ehelichen Beziehungen unterhalten. Natürlich können sie noch im selben Raum sein, doch es treten eine ganze Reihe Benimmregeln in Kraft, um sich konstant an den veränderten Status der Frau zu erinnern.

Unrein Der Talmud (Traktat Nidda) sagt, dass ein Mann, der eine Frau berührt, die nidda ist, ebenfalls ritual unrein (tamei) wird. Um diese Gefahr zu vermeiden, legt man zum Beispiel Gegenstände, die man einander geben möchte, zuerst ab, um sie nicht direkt in die Hand reichen zu müssen. Natürlich teilt man in dieser Zeit auch nicht das Bett. In vielen frommen Familien gibt es deshalb zwei gleich große Einzelbetten, die man leicht zusammenschieben kann.

Nachdem ein vorgeschriebenes Minimum von fünf Tagen vorbei ist und die Frau sich nach allen vorgeschriebenen Regeln vergewissert hat, dass kein Tropfen Blut mehr vorhanden ist (Hefsek Tahara), darf sie anfangen, die obligatorischen sieben reinen Tage (Schiwa Neki’im) zu zählen. Sollte ihre Menstruation länger dauern, muss sie deren Ende abwarten und darf dann erst die reinen Tage zählen. Kommt es in dieser Zeit doch noch einmal zu einer Blutung, muss sie wieder von vorn anfangen (Schulchan Aruch, Joreh De’a).

Mikwa Anschließend darf die Frau dann in die Mikwa gehen und wieder mit ihrem Ehemann zusammen sein, da sie jetzt als tehora (rein) gilt. Heutzutage gibt es sogar diverse Mikwakalender im Internet, die dabei helfen, beim Zählen nicht durcheinanderzukommen. Manche gibt es sogar schon als App zum Herunterladen.

Nach einer Geburt, außer bei einem Kaiserschnitt, gilt die Frau ebenfalls als nidda (3. Buch Mose 12,1–8). Das Gesetz sieht vor, dass die Frau 14 Tage nach der Geburt eines Mädchens und sieben Tage nach der Geburt eines Jungen, sollte es keine Blutungen mehr geben, beginnen darf, die reinen Tage zu zählen, um in die Mikwa zu steigen. (Es gibt eine Reihe von kabbalistischen Erklärungen, warum die Zahl der Wartetage je nach Geschlecht des Babys anders ist.) Dieses Gesetz hat es den jüdischen Frauen, im Gegensatz zu anderen Kulturen, stets erlaubt, sich nach einer Geburt gut zu erholen. Übrigens rät auch die moderne Medizin dazu.

Reinheitsgesetze Viele Ärzte empfehlen kinderlosen Paaren, dem Rhythmus der jüdischen Reinheitsgesetze zu folgen, um die Erfolgsmöglichkeit einer Schwangerschaft zu steigern. Der Grund ist, dass sich der Tag der Ovulation oft mit dem Tag des Eintauchens in die Mikwa überschneidet. Auch Ehetherapeuten predigen schon seit Langem regelmäßige Abstinenz in der Ehe, um keine Routine aufkommen zu lassen.

Die Familienreinheitsgesetze sind so wichtig, dass das jüdische Gesetz bestimmt hat, den Bau einer Mikwa dem einer Synagoge vorzuziehen. Für diesen Zweck ist es sogar erlaubt, eine Torarolle zu verkaufen. Denn wenn Mann und Frau nicht zusammen sein können, kann es keine jüdische Gemeinde geben.

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