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Bima

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

28.02.2013 – von Chajm GuskiChajm Guski

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In Deutschland ist es bunt gemischt: Es gibt Synagogen, in denen das Pult für die Toralesung vorn vor dem Aron Hakodesch steht, und die Gemeinde schaut während des gesamten Gebets in Richtung Bima. Dann gibt es Synagogen, in denen das Pult in der Mitte steht, etwas erhöht, und so steigt man dann buchstäblich hinauf zur Toralesung.

griechisch Dieses erhöhte Pult hat in der Tradition zwei Namen, und beide sind nicht hebräischen Ursprungs. Die erste Bezeichnung ist »Bima«, das kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Podium« oder »Kanzel«. Dieser Begriff scheint nicht immer so allgegenwärtig gewesen zu sein, wie er es heute ist.

Als Raschi (1040–1105) eine Beschreibung der Synagoge von Alexandria im Talmud kommentiert (Sukka 51b), stolpert er über das Wort »Bima« und sagt: »Bima – das ist wie unser Almimbra«. Er verwendet also die andere Bezeichnung, die wir heute als »Almemor« kennen. Sie ist nicht so geläufig wie der Begriff »Bima«. Auch diese Bezeichnung ist nur ein Lehnwort aus einer anderen Sprache, aus dem Arabischen. »Minbar« ist in den Moscheen die kleine Kanzel, auf die der Imam steigt, wenn er sich an die Gemeinde wendet. Mit Artikel heißt es dann entsprechend »Al Minbar«.

Podest Wenngleich beide Begriffe ihren Weg ins Judentum erst später gefunden haben, ist doch die Idee schon im Tanach vorhanden. Im Buch Nechemia (8,2) wird erzählt, wie Esra die Tora vom Morgen bis zum Mittag auf einem erhöhten Podest vorlas.

In der Mischna dann begegnet uns ein spezieller Begriff dafür: nämlich die »Bima«. Im Traktat Sota (7,8) ist es ein erhöhtes Podest im Hof des Tempels. Darauf saß der König und las nach dem Schabbatjahr aus dem 5. Buch Mose.

Später dann im Talmud, als es um die Synagoge in Alexandria geht, wird die Bima erstmals im Zusammenhang mit einer Synagoge genannt. In Alexandria musste die Tora in der Mitte der Synagoge gelesen werden, denn die Menge der anwesenden Menschen soll riesig gewesen sein.

Almemor Maimonides, der Rambam (etwa 1135– 1204), bestimmt in seinen Hilchot Tefilla (11,3), dass die Bima in der Mitte der Synagoge stehen muss, damit jeder die Toralesung deutlich hören kann. Rabbiner Mosche Isserles (1520–1572), der Rema, bezieht sich in seinem Kommentar zum Schulchan Aruch (Orach Chajim 150,5) darauf, wenn er bestimmt, dass der Almemor in die Mitte einer Synagoge gehört, und das ist traditionellerweise nun ihr Standort.

Eine Bima direkt vor dem Aron Hakodesch kam erst mit der jüdischen Reformbewegung auf und sorgte dafür, dass die gesamte Gemeinde nach vorn schauen musste. Von einigen Rabbinern, wie etwa Mosche Schreiber, dem Chatam Sofer (1762–1839), wurde dies scharf kritisiert und letztendlich abgelehnt. Für ihn repräsentiert die Bima den Altar im Tempel, der auf dem Innenhof des Tempels stand und zwar genau in der Mitte. Die Synagoge sei ein kleiner Tempel, »Mikdasch me’at« (Orach Chajim 28).

Mosche Schreibers Sohn Schimon (1820–1883) baute diese Position weiter aus. Er beschäftigte sich in seinem Werk Kuntres mikdasch me’at ausschließlich mit der mittleren Position der Bima.

Viele orthodoxe Synagogen haben ihren Almemor in der Mitte. In zahlreichen liberalen und Reformsynagogen wurde er hingegen nach vorn verlegt. In Deutschland beten, historisch bedingt, auch orthodoxe Beter in Synagogen mit klassischer Reformaufteilung.

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