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Seuda Schlischit

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

04.01.2013 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Seuda Schlischit ist die dritte der Mahlzeiten, die wir, gemäß dem Talmud (Schabbat 117b), im Laufe des Schabbats zu uns nehmen sollen. Festliche Mahlzeiten und deren Genuss sind Teil des Oneg Schabbat, des Schabbatvergnügens. »Und Mosche sagte: ›Esset es (das Manna) heute, denn heute ist der Schabbat des Herrn, heute werdet ihr es nicht auf dem Feld finden‹« (Schemot, 2. Buch Mose 16,25). Das Wort »heute« (hebräisch: »hajom«) kommt in Bezug auf das Manna dreimal vor. Hieraus entstand die rabbinische Regel für die drei Mahlzeiten am Schabbat.

Der erste Gaumenschmaus findet am Freitagabend statt, zwei weitere Mahlzeiten folgen am Schabbattag. Wer kennt nicht das festliche Dinner am schön gedeckten Tisch nach Eingang des Schabbats, wenn die leckersten Speisen aufgetragen werden? Von Gefilte Fisch bis zum köstlichen Lekach arbeiten wir uns durch das Menü, das die Hausfrau (oder auch der Ehemann) zubereitet hat. Am Schabbatmittag kommen Vorspeisen auf den Tisch, im Hauptgang gibt es duftenden Tscholent, verschiedene Kugeln und Desserts runden das Mahl ab.

Challa Im Gegensatz zu den beiden ersten Mahlzeiten ist die Seuda Schlischit normalerweise nicht so aufwendig. Nach dem Schulchan Aruch sollen wir diese Mahlzeit mit Brot beginnen. Falls wir allerdings vom Mittagessen noch zu satt sein sollten, ist es auch zulässig, statt der Challa ein Stück Kuchen oder Obst zu essen (Orach Chaim 291,7). Doch sollte das Füllegefühl der einzige Grund sein, auf Brot zu verzichten, und nicht etwa, weil man zu faul ist, sich rituell die Hände zu waschen (Netillat Jadajim) und das Tischgebet zu sprechen.

Aber nicht nur, was wir am Schabbat essen, spielt eine Rolle, sondern auch die Kawana, unsere Hingabe und innere Ausrichtung. Wie steht es mit dem Kiddusch, mit dem wir am Freitagabend und Schabbatmittag das Mahl eröffnen? Nun, die meisten machen keinen speziellen Kiddusch bei der Seuda Schlischit und sprechen nur den Segen über den Wein, ohne die Einleitung zu dieser Bracha, wie es uns die Kidduschliturgie für Freitagabend und für die zweite Mahlzeit vorschreibt.

Männer und Frauen sind gleichermaßen verpflichtet, an der Seuda Schlischit teilzunehmen. Dafür hat die Mischna Berura eine ganz einfache Erklärung, nämlich, dass der Schabbat an beide Geschlechter die gleichen Anforderungen für alle Aspekte des Feiertags stellt. Und Frauen waren gleichberechtigte »Empfängerinnen« des Mannawunders. Und dies ist eine oder gar die Quelle überhaupt für die drei Mahlzeiten am Schabbat.

manna Die Seuda Schlischit sollte auf jeden Fall vor Sonnenuntergang beginnen. Danach kann sie sich sogar bis in den Abend hinziehen. Idealerweise sollte man für die dritte Mahlzeit zwei Challot verwenden, ob große oder kleine, bleibt jedem selbst überlassen. Warum zwei? Auch dies wird wieder auf das Manna zurückgeführt: Es fiel am Erew Schabbat in doppelter Menge, sodass die Israeliten in der Wüste auch einiges für den Schabbat, an dem kein Manna vom Himmel fiel, sammeln konnten.

Für die Seuda Schlischit wurden die schönsten Melodien und Semirot komponiert. »Mismor LeDavid« (Psalm 23) und »Jedid Nefesch« (»Geliebter meiner Seele«), ein kabbalistisches Lied aus dem mittelalterlichen Safed, sind die häufigsten traditionellen Melodien während des Mahls. Diwrei Tora, Tora zu lernen und lehren, gehört ebenso zu dieser Mahlzeit, die wir vorzugsweise mit Familie und lieben Gästen teilen.

G’tt hat den Schabbat mit Essen, Lebensmitteln und Manna gesegnet. Daher sollen wir den Schabbat in ähnlicher Weise ehren und loben.

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