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Schatnes

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

29.11.2012 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Das Wort »Schatnes« bezeichnet eine Kleidermischung aus Wolle und Leinen, die nach biblischer Verordnung ein Jude nicht tragen darf: Im dritten Buch Moses, gleich nach dem Gebot der Nächstenliebe, lernen wir: »Ein Kleid aus Mischgewebe sollst du nicht anziehen« (19,19). Noch deutlicher steht es im 5. Buch Moses: »Du sollst kein Gewebe tragen, worin Wolle und Leinen vermischt sind« (22, 11).

Ob beide Stoffe miteinander vernäht, versponnen, gedreht, geklebt, oder in irgendeiner anderen Weise miteinander verbunden oder befestigt sind, spielt keine Rolle. Jede Art der Kombination von Wolle und Leinen ist verboten. Erlaubt ist es jedoch, ein Kleidungsstück aus Leinen über ein wollenes Gewand oder umgekehrt zu tragen, da sie nicht fest miteinander verbunden sind.

Begründung Traditionell gesehen, gehört das Schatnesverbot zu den Anordnungen, für die auch unsere Weisen keine rationale Begründung finden konnten. Dies heißt für den toratreuen Juden aber nicht, dass dies keinen Sinn ergibt. Vielleicht gibt es ihn ja, nur kennen wir ihn nicht.

Das Schatnesverbot basiert vermutlich auf dem Gedanken der Heilighaltung der je eigenen g’ttlichen Schöpfung des Menschen, der Pflanzenarten und jener Tiere, die die Grundlagen zu den Stoffen liefern. Das Verbot, Flachs, Wolle und Leinen zu mischen, ist nach Maimonides, dem Rambam (1135–1204), damit zu begründen, dass der Mensch die Trennung, die G’tt bei der Schöpfung vorgenommen hat, nicht verwischen soll.

Auch heute lassen traditionelle Juden ihre Kleidung beim Kauf in einer der vielen Schatnes-Institutionen auf der ganzen Welt überprüfen. Es ist aber auch durchaus üblich, die Bezeichnung »Schatnes« oder »Schatnes geprüft« bei Konfektionsanzügen in die Jacken einzuweben. Nicht selten findet man darin sogar die Namen der Prüfer.

Ausnahmen Allerdings ist heute, seitdem Kunststoffe als Futter und Zubehör verwendet werden, die Gefahr der Vermengung unterschiedlicher Naturstoffe viel geringer als früher. Wichtig zu erwähnen: Es gibt zwei Ausnahmen, bei denen Schatnes erlaubt ist: Die Zizit, die Schaufäden, welche gesetzestreue Juden tragen, dürfen aus Mischgewebe bestehen. Sie sind eine Nachahmung der Tracht, welche die Priester im Heiligtum trugen. Heute sind sie ein Zeichen dafür, dass wir im Dienste G’ttes stehen.

Ebenso aus Mischgewebe dürfen die Totenkleider bestehen, genannt »Tachrichim« oder »Sargenes«. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass die Mizwot für die Lebenden gelten, aber nicht für die Toten.

Durch die Einhaltung des Schatnesverbots drückten Juden auch den bedingungslosen Gehorsam und die Demut gegenüber dem Schöpfer aus. Der mittelalterliche Gelehrte Nachmanides, der Ramban (1194–1270), meinte, das Vermengen zweier Naturstoffe scheine die Ordnung der Schöpfung zu leugnen. G’tt habe alles auf der Welt als vollkommen erschaffen, der Mensch müsse daher von sich aus nichts ergänzen. Wichtig dabei ist jedoch: Die Worte des Ramban stellen lediglich den Versuch einer Erklärung dar und sind kein Dogma.

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