Fernsehinterview

»Mutige Aussagen«

Mahmud Abbas erklärt Bereitschaft zu Friedensgesprächen. Israelische Politik diskutiert Aussagen des Palästinenserpräsidenten

Aktualisiert am 05.11.2012, 10:47 – von Sabine BrandesSabine Brandes

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Die Schlagzeilen zum Wochenbeginn in Israel beherrschen einmal nicht der heimische oder US-amerikanische Wahlkampf, sondern einer, der schon fast aus den Nachrichten verschwunden war: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. In einem Interview mit Kanal 2 des israelischen Fernsehens gab er sich versöhnlich und betonte, er werde keine dritte Intifada erlauben. Allen voran Verteidigungsminister Ehud Barak und Präsident Schimon Peres lobten ihn für seine »mutigen Aussagen«. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu indes ist der Überzeugung, dass es nichts als leere Versprechen seien.

Seine Worte reflektierten nicht seine Taten, sagte der Regierungschef. »Es geht nur darum, die israelische Öffentlichkeit in die Irre zu führen.« Zur Eröffnung der Kabinettssitzung erklärte er, dass er persönlich bereit wäre, noch heute an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nur hier könnten Abbas’ wirkliche Absichten erkannt werden.

Safed Abbas hatte am Freitag vor laufenden Kameras erklärt, er wolle die Friedensgespräche mit Israel wiederaufnehmen. Er sagte auch, dass er gern in seine Geburtsstadt Safed in Obergaliläa zurückkehren würde – jedoch lediglich als Tourist, da sich Safed in Israel befinde. »Ich glaube, dass die Westbank und Gaza Palästina sind. Der Rest ist Israel. Jetzt und für immer.« Zudem betonte er, es werde keine dritte Intifada geben, solange er an der Macht sei.

Peres bezeichnete seinen Amtskollegen daraufhin als »echten Partner für den Frieden«. Auch Barak zeigte sich von den versöhnlichen und »eindeutigen Tönen« beeindruckt. Gleichzeitig kritisierte er das Verhalten von Netanjahu und Außenminister Avigdor Lieberman gegenüber der palästinensischen Autonomiebehörde scharf. »Die jetzige Regierung hat viel zu wenig getan, um den Frieden voranzubringen.« Barak machte jedoch auch klar, dass Abbas »nicht perfekt sei« und erklärte, dessen kategorisches »Nein« zu jeglicher jüdischer Bautätigkeit im Westjordanland sei ein großes Hindernis bei den Friedensgesprächen.

Israels Außenminister erklärte am Sonntag im Armeeradio, dass seiner Meinung nach Abbas’ Worte einzig dazu dienten, der israelischen Linken bei den kommenden Knessetwahlen zu helfen. »Das sind Abbas’ Alliierte in unserem Land.«

Proteste Innerhalb der palästinensischen Gebiete sorgte das Interview für einen Aufruhr. Tausende strömten am Freitag nach der Ausstrahlung auf die Straßen der Westbank und Gaza, um dagegen zu protestieren. Kurz darauf revidierte Abbas einige seiner Sätze in der ägyptischen Zeitung Al-Hayyat: »Was ich über Safed gesagt habe, gilt für mich persönlich. Es ist nicht politisch zu verstehen und heißt nicht, dass ich das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge aufgebe«.

Abbas regiert im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen. Deren Anführer Mahmoud Al-Zahar meinte, dass Abbas lediglich versuche, seinen Hals zu retten. »Er hat Angst, dass er so endet wie Arafat – vergiftet –, wenn er auf einer dritten Intifada besteht. So rettet er vielleicht sein Leben, aber er läuft Gefahr, seinen Ruf zu ruinieren.«

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Gemeindetag

Gemeindetag 2016

8. bis 11. Dezember 2016

Zum Dossier

Jubiläum

70 Jahre Jüdische Allgemeine – zum Dossier

70 Jahre
Jüdische Allgemeine

Zum Dossier

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
7°C
regen
Frankfurt
9°C
wolkig
Tel Aviv
19°C
regenschauer
New York
-1°C
schneefall
Zitat der Woche
»In der jüdischen Tradition verleiht ein Geburtstag
einem Menschen eine besondere Kraft. Und wenn
er einen Segen spricht, so wird dieser wahr.«
Kirk Douglas, Schauspieler, der am Freitag 100 Jahre alt wird