Einspruch

Waffenbruder Obama

Richard Herzinger widerspricht dem Vorurteil, der amtierende US-Präsident schade Israel

01.11.2012 – von Richard HerzingerRichard Herzinger


Viele Freunde Israels sind davon überzeugt, US-Präsident Barack Obama hege ein gebrochenes, wenn nicht unterschwellig feindseliges Verhältnis zu Israel. Die nüchternen Tatsachen – zumindest in der Sicherheitspolitik – widersprechen jedoch diesem Vorurteil.

Nie zuvor haben die USA so viel zu Israels Verteidigungsfähigkeit beigetragen wie während der Amtszeit Obamas. Dies betrifft nicht nur Umfang und Qualität der Lieferung von Waffen und technologischem Know-how. Soeben ging das größte gemeinsame israelisch-amerikanische Militärmanöver in der Geschichte beider Staaten zu Ende.

Rhetorik Es setzte das klare Signal, dass die USA im Falle eines Angriffs auf Israel dem jüdischen Staat mit dem Einsatz modernster Waffen beistehen würden. Eine solche Eindeutigkeit hat es, ungeachtet aller pro-israelischen Rhetorik früherer – auch republikanischer – Präsidenten, bislang nicht gegeben. Überdies demonstrierten die USA damit, dass sie, sollten sie einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen je für unausweichlich halten, darauf bestens vorbereitet sind.

Gewiss, Israels Premier Netanjahu und Obama sind einander zutiefst abgeneigt – was der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass der amtierende US-Präsident den jüdischen Staat noch nicht besucht hat. Doch Obamas Linie, Israel stabil und stark zu halten, um sich gegenüber dem Rest der in explosiver Umwälzung befindlichen Region Flexibilität – wenn nicht Opportunismus – erlauben zu können, steht trotz aller Differenzen fest.

Unwägbar bleibt indes, ob er nach seiner Wiederwahl in Geheimverhandlungen mit Teheran treten würde, die auf Kosten Israels gehen könnten. Doch ist diese Skepsis – ungeachtet markiger Wahlkampfworte – auch gegenüber Mitt Romney angebracht, bei dem eine außenpolitische Konzeption bisher kaum erkennbar ist. Sie dürfte sich aber von der Obamas wenig unterscheiden. So kann Israel dem Ausgang der US-Wahl recht beruhigt entgegensehen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und »Welt am Sonntag«.


Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir
Ihnen unverbindlich
ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer
aktuellen Ausgabe zu.

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Rückblende

Die Geschichte der Juden in Deutschland nach der Schoa

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
6°C
wolkig
Frankfurt
7°C
regenschauer
Tel Aviv
24°C
heiter
New York
17°C
gewitter
Zitat der Woche
»Ich will, dass Sachsen wieder wird, was es vor 1945 war.«
Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Interview mit der »Welt am Sonntag«