Wieso weshalb warum

Uschpesin

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

27.09.2012 – von Chajm GuskiChajm Guski

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An jedem Tag des Laubhüttenfestes laden wir im Idealfall zwei Gruppen von Gästen in die Sukka ein. Zuerst wären da die »echten« Gäste, von denen wir wollen, dass sie sich wohlfühlen und den Feiertag mit uns teilen. Denn, so hält Maimonides, der Rambam (1135–1204), in seinen Hilchot Schewitat Jom Tow (6,18) fest, man soll sich an den Feiertagen so verhalten, wie es im 5. Buch Moses (16,14) geboten wird: »… und du sollst dich an deinem Fest erfreuen – du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht und deine Magd, der Levit, der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren sind«.

Mizwa Maimonides schreibt dazu: »Wenn jemand isst und trinkt, dann muss er auch dem Fremden, der Witwe und anderen unglücklichen Armen zu essen geben. Aber jemand, der die Türen seines Vorhofs abschließt und mit seinen Kindern und seiner Frau isst, aber die Armen nicht sättigt und ihnen zu trinken gibt, der hat keine Freude an der Mizwa, sondern eine Freude für seinen Bauch.« Ganz konkret bedeutet das also, dass man Bedürftige an seiner Freude teilhaben lassen sollte. Im Talmud (Schabbat 127a) heißt es, dass es ein größerer Verdienst ist, Gäste zu empfangen als die Schechina, die Gegenwart G’ttes.

Und dann gibt es neben den »echten«, die man anfassen kann, noch eine andere Gruppe von Gästen. Wir nennen sie »Uschpesin«. Das Wort kommt aus dem Aramäischen und bedeutet »Gäste«. Gemeint sind damit traditionell die Vorväter Awraham, Jitzchak, Jakow, Mosche, Aharon, Josef und David. Alle werden an jedem der sieben Sukkot-Abende eingeladen, aber jeweils einer führt die Gruppe an. Am ersten Abend lädt man also Awraham ein, der alle anderen anführt. Am zweiten Abend Jitzchak und so weiter. Die Reihenfolge der Gäste variiert je nach Tradition. Im Siddur, dem Gebetbuch, gibt es für jeden Abend eine Einladung für einen anderen Vater.

Sukka Der Ursprung dieser Einladung, die heute vielfach als Erinnerung an die Wichtigkeit »echter« Gäste verstanden wird, liegt in den mystischen Strömungen des Judentums. Hier entsprechen die sieben Gäste den sieben Sefirot, den Aspekten von G’ttes Wesen, von denen es insgesamt zehn gibt. Im Sohar, dem Hauptwerk der Kabbala, wird die Einladung der Uschpesin eingeführt. Wir lesen dort: »Rabbi Abba sprach: Es heißt doch ›Du sollst sieben Tage in der Sukka sitzen‹, und dann ›Sie sollen sitzen‹. Am Anfang sollst du sitzen und dann sie? Das Erste bezieht sich auf die Uschpesin und das Zweite auf die Menschen dieser Welt. Wenn Rabbi Hemnuna der Ältere die Sukka betrat, erfreute er sich, stand am Eingang und sprach: ›Lasst uns die Uschpesin einladen‹« (Emor 103b-104a).

Später schreibt Rabbiner Issachar ben Pethahiah ben Mosche Baer (der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Kremnitz bei Bratislava lebte) in einem mystischen Werk namens Jesch Sachar (Prag 1609): »Beim Betreten der Sukka musst du die g’ttlichen Heiligen zu dir einladen, denn sie sind deine Herrlichkeit. Sie kommen in geistiger Form, um sich dir von allen Seiten anzuschließen« (39b).

Die Lubawitscher Chassidim haben übrigens sieben zusätzliche »chassidische Uschpizin«, verschiedene Rebben ihrer Tradition.

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