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Slichot

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

30.08.2012 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Die Hohen Feiertage stehen bevor. Doch die Vorbereitungen beginnen nicht erst einen Tag vor Rosch Haschana, sondern bereits am Anfang des Monats Elul. Mit ihm wird es Zeit für die »Slichot«. So nennt man eine spezielle Art von Bußgebeten. »Slichot« ist der Plural von »Slicha«, das bedeutet »Verzeihung«. Slichot werden üblicherweise an allen Fastentagen gesprochen, mit Ausnahme von Tischa beAw. Vor den Hohen Feiertagen aber werden die Slichot täglich gesagt.

Morgengrauen Wann die Rezitation beginnt, hängt davon ab, zu welcher Tradition man zählt. Sefardische Juden tun dies seit Anfang des Monats Elul und stehen deshalb schon seit einigen Tagen vor dem Morgengrauen auf. So lesen wir es auch bei Josef Karo (1488–1575) in seinem Schulchan Aruch (Orach Chajim 581,1).

Die aschkenasischen Juden beginnen mit den Slichot erst in der Nacht nach der Hawdala des Schabbats, der Rosch Haschana vorangeht. Sollte Rosch Haschana schon auf den folgenden Montag oder Dienstag fallen, wird am Wochenende zuvor begonnen. »Früh« meint als Idealzeit tatsächlich sehr, sehr früh.

Mitternacht Die ersten aschkenasischen Slichot werden schon Samstagnacht gesprochen. Um es genauer zu definieren: zur halachischen Mitternacht. Das ist der Zeitpunkt, der genau zwischen Sonnenuntergang und -aufgang liegt. Würde die Sonne um 20 Uhr untergehen und um sieben Uhr wieder aufgehen, wäre dies also gegen halb zwei.

Aber schon der Machsor von Vitry, der vor etwa 1.000 Jahren entstand, kennt den Brauch, »in der Nacht nach dem Schabbat vor Rosch Haschana früh vor Sonnenaufgang aufzustehen und um Gnade zu bitten«. An den folgenden Tagen reicht es aus, die Slichot vor dem Morgengebet zu sprechen. Diese Praxis hat sich in vielen Gemeinden durchgesetzt, weil das noch frühere Aufstehen den Biorhythmus nachhaltig beeinflussen würde.

Gebete Das allgemeine Fasten an den Tagen, an denen Slichot gesagt werden, ist heute nicht mehr so verbreitet wie früher. Jedoch erklärt es umgekehrt, warum die Slichot als Gebete der Fastentage in dieser Zeit gesprochen werden. Den eigentlichen Kern der Slichot bilden die »schlosch essre Midot« – die »13 Eigenschaften« G’ttes –, die im 2. Buch Moses 34, 6-7 genannt werden. Dort lesen wir: »Der Ewige, der Ewige, erbarmungsvoll und gnädig, langmütig, reich an Gnade und Wahrheit, bewahrt die Gnade, bis in die tausendste Generation, verzeiht Schuld, Missetat und Sünde und läutert.«

Schon der Talmud schlägt den Bogen von den 13 Eigenschaften zu Buße und Umkehr, wie sie zu den Hohen Feiertagen von den Menschen gefordert werden: »G’tt legte sich einen Tallit an wie ein Vorbeter und lehrte Mosche die Ordnung des Gebets. Sooft Israel sündigt, soll es vor mir nach dieser Ordnung beten, und ich vergebe ihm seine Sünden« (Rosch Haschana 17b). Mit den 13 Eigenschaften sei ein Bund geschlossen, heißt es weiter, der ihre Wirksamkeit zusagt. Die persönliche »Umkehr« ersetzt dies jedoch nicht.

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