Wieso Weshalb Warum

Honig

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

31.05.2012 – von Rabbiner Schlomo AfanasevRabbiner Schlomo Afanasev

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Von den unzähligen Kreaturen, die die Welt bevölkern, dienen Insekten als prominente Beispiele für viele interessante Aspekte der Halacha und des jüdischen Denkens (Haschkafa). So gibt es auf den Verzehr von unkoscheren Insekten laut Talmud (Makkot 16b) als Strafe Peitschenhiebe.

Gleichzeitig wird die Ameise als Beispiel für Fleiß und Weisheit genannt: »Geh hin zur Ameise, du Fauler, beobachte ihre Wege und werde weise« (Sprüche der Väter 6,6). Darüber hinaus stammen viele wichtige Erzeugnisse von Insekten, sie reichen von Schellack, einer harzigen Glasur, bis zu Cochenille, einem roten Farbstoff.

Bienen Das wohl berühmteste Produkt eines Insekts ist jedoch der Honig. Um ihn herzustellen, sammeln Bienen Nektar aus Blüten und bearbeiten ihn in einem Hohlraum innerhalb ihres Körpers, dem Honigmagen. Der in dem Nektar enthaltene Zucker ist hauptsächlich Saccharose, die durch Enzyme, die die Biene selbst herstellt, in Glukose und Fruktose umgewandelt wird. Die Biene konzentriert die Flüssigkeit, indem sie Wasser aus dem invertierten Nektar entfernt. Das Resultat, der Honig, wird als Nahrungsmittel für die Bienenkolonie gelagert.

Seit Jahrtausenden verwenden auch Menschen Honig, und bis zum Aufkommen von raffiniertem Zucker war es der am häufigsten verwendete Süßstoff. Obwohl Honig zweifelsohne von einem nicht koscheren Insekt stammt, ist er eindeutig koscher. Unklar ist jedoch, warum das so ist. Hierzu gibt es zwei verschiedene Meinungen. Nach der einen (Talmud Brachot 6b) ist Honig erlaubt, da er kein direktes Produkt der Biene ist, sondern lediglich ein von ihr bearbeiteter Blumennektar. Honig ist koscher, da er keine tatsächliche Ausscheidung eines unkoscheren Lebewesens ist.

koscher Nach einer anderen Meinung ist Honig erlaubt wegen einer speziellen halachischen Kategorie, wonach manche Ausscheidungen von nicht koscheren Insekten ausnahmsweise dennoch zulässig sind. Im Ergebnis stimmen jedoch beide Meinungen überein: Bienenhonig ist koscher.

Der Unterschied zwischen den beiden Begründungen spiegelt sich allerdings in der halachischen Behandlung von Honig wider, der von anderen Insekten stammt. Der Talmud beschreibt, dass Honig auch von Insekten, die Tzirin und Gizin genannt werden, hergestellt wird. Er wird allgemein als »Wespenhonig« bezeichnet. Während die genaue Übersetzung der Namen der beiden im Talmud genannten Insekten unklar bleibt, scheint es sich doch um Insekten zu handeln, die Honig ähnlich wie die Biene aus Blumennektar herstellen.

Da es sich also auch hierbei lediglich um bearbeiteten Blumennektar handelt, müsste auch der »Wespenhonig«, zumindest nach der ersten oben beschriebenen Meinung, koscher sein. Nach der zweiten Auffassung jedoch ist dies nicht der Fall. Nur Bienenhonig wird einfach als »Honig« bezeichnet, der von anderen Insekten dagegen als »Wespenhonig«. Ein Produkt, dessen Name einen Hinweis auf die nicht koschere Quelle enthält, ist nicht zulässig. Die Mehrheit der halachischen Autoritäten verbietet daher trotz der ähnlichen Art der Herstellung den Genuss von »Wespenhonig«.

Metapher Honig ist jedoch nicht nur aus halachischer Sicht interessant, er ist auch ein beliebtes und immer wiederkehrendes Symbol. Für Schawuot, das wir vor wenigen Tagen begangen haben, hat der Honig eine besondere Bedeutung. Wegen seiner Süße und seiner Nahrhaftigkeit wird er gern als Metapher oder Symbol für die Tora benutzt. Auch die Tora wird von demjenigen, der von ihrer tiefen Weisheit lernt, als süß empfunden. Die Tora gilt zudem als Nahrung für die Seele.

König Salomon sagte, »Honig und Milch sind unter deiner Zunge« (Schir Haschirim 4,11) und nahm damit Bezug auf die Worte der Tora, die das Volk Israel spricht und lernt. Aus diesem Grund ist es besonders passend, Honig an Schawuot zu verwenden, denn das Fest erinnert an den Erhalt der Tora.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 19.04.2018

Ausgabe Nr. 16
vom 19.04.2018

Zum Angebot
Beilage: 70 Jahre Israel
Cover Sonderbeilage Jüdische Allgemeinen vom 19.04.2018

Gerne schicken
wir Ihnen unverbindlich die Sonderbeilage zu!

Bestellen

Fotostrecken

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
24°C
heiter
Frankfurt
27°C
heiter
Tel Aviv
24°C
heiter
New York
7°C
regen
Zitat der Woche
»An Transsexuelle und Juden haben wir uns
noch nicht herangetraut.«
Die belgische TV-Produzentin Kato Maes begründet das Konzept der Show »Taboe«,
Witze über dicke und behinderte Menschen zu reißen.