Wieso Weshalb Warum

Kitnijot

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

29.03.2012 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Bald ist Pessach. Das bedeutet für Familien, die ihren Haushalt »koscher lePessach« haben möchten, dass es Zeit wird, Chametz zu finden und aus dem Haus zu schaffen. Aschkenasische Juden haben es an Pessach noch schwerer als Sefarden.

Denn zum verbotenen Chametz, zu dem Produkte aus Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer gehören, kommt eine weitere Kategorie verbotener Nahrungsmittel hinzu: Kitnijot – Reis, Sesam, Senf, Sonnenblumenkerne und Mais, aber auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen.

Buchweizen Eine schlechte Nachricht für Juden mit russischer Sozialisation dürfte sein, dass auch Buchweizen in diese Kategorie fällt und folglich von der Speisekarte gestrichen werden müsste. Doch anders als Chametz können Kitnijot in der Wohnung verbleiben und müssen vor Pessach nicht verbrannt oder verkauft werden.

Die Diskussion geht bis auf den Talmud zurück. Etwas jünger ist die Entscheidung, Kitnijot während der Pessachtage zu meiden. Laut einer Diskussion im Talmud (Pessachim 35a) verbietet Rabbi Jochanan ben Nuri den Verzehr von Reis und Hirse, weil sie »Gesäuertem ähnlich« seien. Die Rabbiner Huna und Rawa dagegen legten Reis sogar auf ihre Sederteller – woraus Raw Aschi schlussfolgert, dass man die Meinung von Rabbi Jochanan ben Nuri übergehen könne (Pessachim 114b).

Danach gibt es erst wieder schriftliche Quellen aus dem 13. Jahrhundert, die den Brauch erwähnen, Kitnijot zu meiden, etwa im Sefer HaMinhagot des Rabbiners Ascher ben Meschullam von Lunel (1165–1210). Mit jener Schrift ist dieser Brauch zumindest für die Provence bezeugt.

Hintergrund ist wohl, dass man verhindern wollte, Kitnijot mit Chametz zu verwechseln, wie es auch schon im Talmud diskutiert wird. Gedacht ist die Regel als »Zaun« um die eigentliche Mizwa des Chametz-Verbotes. Denkbar ist auch, dass die Herkunft des Brauchs in der Landwirtschaft liegt. Weil sich auf einem Feld zwischen den erlaubten Pflanzen vereinzelte Weizenpflanzen vom Vorjahr befinden könnten, war Vorsicht angesagt.

Kaffee In jüngster Zeit sind auch Sojabohnen und Produkte, die daraus hergestellt werden, wie Tofu, auf die Verbotsliste gekommen. Doch Sojabohnen heißen lediglich »Bohnen«, gehören aber aus botanischer Sicht nicht zur Familie der Bohnen. Selbst Kaffee wurde für ein Verbot vorgeschlagen. Doch letztlich ohne Erfolg.

Inzwischen ist die Liste auch um Industrieprodukte wie Maltodextrin und Sorbitol erweitert worden. Aber es gab und gibt Rabbiner, die diesem Trend vorsichtig entgegensteuern. Zu ihnen gehört Rabbiner Mosche Feinstein (1895–1986), eine führende halachische Autorität Nordamerikas. Er befasste sich in seiner Responsensammlung Igrot Mosche mit der Erdnuss und kam zu dem Schluss, dass sie erlaubt sei (Orach Chajim 3,63) und dass der Kategorie »Kitnijot« keine weiteren Nahrungsmittel mehr hinzugefügt werden sollten.

Rabbiner Jaakow Emden aus Altona (1697–1776), auch er eine rabbinische Autorität, wollte den Brauch abschaffen, fand aber kaum Unterstützer. Und aus dem 13. Jahrhundert ist überliefert, dass Rabbiner Schmuel aus Falaise den Verzicht auf Kitnijot »einen falschen Brauch« nannte. Doch trotz des immer wieder aufflackernden Widerstandes ist dieser Brauch im Laufe der Zeit Halacha geworden – zumindest unter Aschkenasim.

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