Interview

Fünf Minuten mit ...

Oleg Tartakowski über Gewinn und Nutzen ehrenamtlicher Gemeindearbeit

22.03.2012 – von Zlatan AlihodzicZlatan Alihodzic


Herr Tartakowski, Sie sind Leiter des Jugendzentrums der Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, Sie studieren und treiben Sport. Haben Sie überhaupt noch Freizeit?
Es wird in der Tat knapp. Ich befinde mich im letzten Teil meines Medizinstudiums und bin von morgens früh bis zum späten Nachmittag im Krankenhaus. Ein paar Mal in der Woche habe ich noch Sport und unterrichte Kinder im Judo. Außerdem trainiere ich selbst Judo und Jiu-Jitsu. Tja, und ich bin Leiter des Jugendzentrums »Tikwatejnu« hier in Duisburg – und das auch schon seit 2006.

Warum nehmen Sie das alles auf sich?
Ich bin in dieser Gemeinde aufgewachsen und selbst als kleiner Junge ins Jugendzentrum gegangen. Jetzt freue ich mich darüber, dass ich der Gemeinde etwas zurückgeben kann.

Welchen Nutzen ziehen Sie aus dieser Arbeit?
Für mich ist das Besondere an jüdischer Jugendarbeit, oder vielleicht an Jugendarbeit im Allgemeinen, dass es ein ständiger Wechsel von Geben und Nehmen ist. Wenn die Arbeit der Madrichim gut funktioniert und unser Programm bei den Kindern und Jugendlichen ankommt, habe ich das Gefühl, etwas Positives im Leben anderer Menschen bewirkt zu haben.

Ist es manchmal frustrierend, dass Sie sich so sehr engagieren, aber die Arbeit nur ehrenamtlich ist?
Hauptamtlich sollte die Arbeit von Jugendzentrumsleitern gar nicht sein, damit immer neue Leute nachkommen und so auch neue Ideen und weitere Sichtweisen mitbringen können. Was das ehrenamtliche Engagement insgesamt angeht: Ich glaube, dass viele Gemeindemitglieder gar nicht wissen, welcher Bedarf in dieser Organisation tatsächlich besteht. Vielleicht könnte man das noch offener sagen, um Leute anzusprechen, die etwas beitragen möchten.

Was hat Sie ursprünglich veranlasst, eine ehrenamtliche Aufgabe in der Gemeinde zu übernehmen?
Schon mit 13 Jahren bin ich zu den Praktikantenseminaren der Zentralwohlfahrtsstelle gefahren. Ich habe gesehen, was meine Madrichim mir gegeben haben und wollte das weitergeben. Im Jugendzentrum hängt viel davon ab, wie sich die Mitarbeiter und Jugendleiter geben. Wenn man ein gutes Beispiel und ein Vorbild ist, dann wollen die Kinder das später vielleicht auch sein. Entweder, man möchte sich engagieren, oder man möchte es eben nicht. Von außen kann man das nicht erzwingen.

Was sagt Ihre Familie, sagen Ihre Freunde zu diesem Engagement?
Viele Menschen in meiner Umgebung finden das seltsam. Sie wundern sich, wenn ich an einem Samstagabend früher gehe, weil ich sonntags im Jugendzentrum bin. Für sie ist der Sonntag ein Tag, an dem sie entspannen und nichts machen. Aber für mich ist es ein besonderer Tag, und es ist meine Entscheidung, zu »Tikwatejnu« in die Gemeinde zu gehen. Es gibt mir eben viel!

Mit dem Leiter des Jugendzentrums »Tikwatejnu« sprach Zlatan Alihodzic.


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