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Chanukka von A bis Z

Warum man was zum achttägigen Lichterfest macht – und wie

Aktualisiert am 28.11.2013, 13:08 – von Tobias KühnTobias Kühn und Katrin RichterKatrin Richter

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Welcher Leuchter?
Chanukka ohne Licht wäre wie Pessach ohne Mazze. Das bekannteste Symbol und wichtigste Utensil des Festes ist der achtarmige Leuchter, die Chanukkia. Das Wort soll sich Hemda Ben-Jehuda im Jahr 1897 in Jerusalem ausgedacht haben. Sie war die Ehefrau von Elieser Ben-Jehuda, dem Erneuerer des Hebräischen. Bei der klassischen Variante des Leuchters zweigen vom mittleren Ast jeweils vier Arme nach rechts und vier nach links ab, auf denen je ein Kerzenhalter befestigt ist. Die Kerzen der Chanukkia werden mit einem weiteren Licht, dem Schamasch (deutsch: Diener), angezündet, der versetzt angeordnet ist. Neben der klassischen Variante des Leuchters gibt es unzählige weitere. Bis heute entwerfen Designer und Kunsthandwerker Jahr für Jahr neue Modelle: aus Metall, Ton, Glas oder Holz, naturbelassen oder angemalt, »Made in China« oder Öko und Fair gehandelt. So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Chanukkiot.

Die Makkabäer
In jedem Jahr beginnt Chanukka am Abend des 25. Kislew und geht bis zum 2. Tewet. Acht Tage lang wird an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 165 v.d.Z. erinnert. Das geschah nach dem Aufstand der Makkabäer gegen pro-griechische Juden und makedonische Syrer. Die Makkabäer, die gegen die Seleukiden kämpften und deren Herrschaft beendeten, führten den jüdischen Tempeldienst wieder ein. Vorher war es verboten, Tora zu lernen oder andere religiöse Gebote zu erfüllen. Die Seleukiden gingen mit harter Hand gegen Juden vor und machten es ihnen fast unmöglich, ihre Religion auszuüben. Nicht nur deswegen sind die Makkabäer, die das Geschlecht der Hasmönäer begründeten, bekannt. Sie waren es auch, die im zerstörten Tempel das Öl entdeckten, das dann acht Tage lang ausreichte.

Spiel mit dem Dreidel
Es gibt sie in blau, rosa, hellgrün, aus Holz, Plastik oder auch schön bemalt. Der kleine Würfel mit Spitze und Griff zum Drehen gehört wohl ungefragt zu den Lieblingsspielen zu Chanukka. Auf seinen vier Seiten stehen vier Buchstaben: Nun, Gimmel, Hej und Pej. Abkürzungen für »Nes gadol haja po – Ein großes Wunder geschah hier«. Gemeint ist damit das Wunder des Öls, das acht Tage brannte. Kommt der Würfel nicht aus Israel, wird das Pej (»po« = hier) durch ein Schin (»scham« = dort) ersetzt. Kinder spielen Dreidel meist um Süßigkeiten. Jeder legt seinen Einsatz in die Mitte oder in ein Gefäß. Der Jüngste in der Runde darf den Dreidel zuerst drehen. Der Buchstabe, der oben zu sehen ist, bestimmt den Gewinn: Nun – Kein Gewinn und kein Verlust. Gimel – Man gewinnt alles. Hej – Man gewinnt die Hälfte der Einsätze. Schin – Man muss zwei Spieleinsätze in die Mitte legen. Mitspielen können alle von 1 bis 120.

»ChanukkaGelt«
Egal, ob Schokoladenmünzen oder richtiges Geld – zu Chanukka ist es üblich, den Kindern das sogenannte Chanukkagelt zu geben. Das Wort »Gelt« hat seinen Ursprung im Jiddischen und auch der Brauch, Kindern zum Fest des Lichtes Geld zu geben, geht wahrscheinlich auf das 17. Jahrhundert zurück. Damals sollen polnische Juden ihren Kindern Geld mit in die Schule gegeben haben, um es an den Lehrer weiterzugeben. Im Laufe der Jahrhunderte gab man Chanukkagelt, um es ärmeren Menschen zu spenden oder es für wohltätige Zwecke einzusetzen. Heute bekommen Kinder von ihren Großeltern oder anderen Verwandten Geld für die Sparbüchse. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2007 lag der durchschnittliche Chanukkagelt-Betrag in Israel bei 160 Schekel, etwa 30 Euro.

Wie anzünden?
Am Abend, wenn es dunkel geworden ist und die ersten Sterne am Himmel zu erkennen sind, werden die Lichter in einer kleinen Zeremonie angezündet. Die Lichter müssen mindestens eine halbe Stunde lang brennen. Wichtig ist, dass die übliche Beleuchtung eingeschaltet wird, denn die Funktion der Chanukkalichter ist es, an das Wunder von Chanukka zu erinnern und nicht die Beleuchtung zu ersetzen. Man stellt die Kerzen von rechts nach links in den Leuchter, sodass am ersten Abend nur die Kerze ganz rechts brennt, am zweiten Abend die beiden rechten Kerzen und so weiter. Angezündet werden die Kerzen von links nach rechts, also die jeweils neue Kerze zuerst. So zieht es sich hindurch, bis am achten Tag schließlich alle Lichter brennen. Anders als bei anderen jüdischen Festen ist der Vater für das Lichtzünden verantwortlich. Wenn die Kinder in der Lage sind, die hebräischen Segenssprüche auswendig aufzusagen, dürfen auch sie die Lichter zünden. Folgende Segenssprüche werden dabei aufgesagt: »Baruch ata adonai elohenu melech ha-olam ascher kidschanu bemizwotaw weziwanu lehadlik ner schel chanukka.« – »Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden.« »Baruch ata adonai elohenu melech haolam sche’assah nissim leawotenu bajamim hahem basman hase.« – »Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit.« Am ersten Chanukka-Abend wird zusätzlich noch ein dritter Segensspruch aufgesagt: »Baruch ata adonai elohenu melech haolam schehechejanu wekijemanu wehigianu lasman hase.« – »Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen.«

Öl oder Kerzen?
Man kann Öl oder Kerzen verwenden. Wenn aber die Möglichkeit besteht, ist es eine besondere Mizwa, reines Olivenöl zu nehmen, denn dieses Licht ist klar, und es erinnert an das Licht der Menora im Tempel, das mit Olivenöl gespeist wurde. Man kann das Öl in kleine Glasbehälter füllen und Watte als Docht nehmen. Wegen seiner Rolle im Chanukka-Wunder kommt dem Olivenöl besondere Bedeutung zu. Alle anderen Öle sind aber auch erlaubt, sofern sie reines Licht erzeugen und nicht flackern.

Sufganiot
Weil das Öl beim Chanukka-Wunder eine so große Rolle spielte, ist es üblich, während der acht Tage Speisen zu servieren, die in Öl zubereitet wurden. Zu den beliebtesten Gerichten gehören Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiot (Krapfen, Pfannkuchen oder auch Berliner genannt).

Hier ein Rezept für rund 20 Sufganiot:
40 Gramm Hefe
4 Löffel Zucker
1 1/2 Tasse lauwarmes Wasser
480 g Mehl
4 Eigelb
4 Esslöffel Öl
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
Marmelade zum Füllen
Puderzucker
Frittieröl

Man gebe die Hefe sowie einen Esslöffel Zucker in einen Topf, gieße anderthalb Tassen lauwarmes Wasser darüber, verrühre das Ganze und lasse es zehn Minuten stehen. Währenddessen gebe man 480 g Mehl durch ein feines Sieb in eine große Schüssel. In der Mitte formt man eine Mulde und fügt die gegorene Hefe von oben hinzu, mischt sie mit dem Rest der Zutaten und knetet so lange, bis sich der Teig von der Schüsselwand löst. Den Teig mit Mehl bestäuben und an einem warmen Platz aufgehen lassen. Etwa zwei Stunden später den Teig zwei Zentimeter dick ausrollen und mit einem Becher gleichmäßige Teile ausstechen. Die Stücke mit Öl bestreichen, damit sie nicht austrocknen. Danach unter einer Frischhaltefolie weitere 20 Minuten ruhen lassen. Zum Schluss die Sufganiot in heißem Öl frittieren. Mit Puderzucker bestreuen und mit Marmelade füllen. Guten Appetit und Chanukka sameach!

Chanukkia ins Fenster
Auf die Frage, wohin genau man den achtarmigen Leuchter stellt, gibt es zwei Antworten: ins Fenster oder direkt gegenüber der Mesusa der Eingangstür, so wie es zu talmudischen Zeiten Brauch war. Dass die Chanukkia im Flur steht, hat den Vorteil, dass man an die Gebote und das Lichterfest erinnert wird, wann immer man durch das Haus geht. Allerdings macht sich der Leuchter auch im Fenster ganz gut, denn dann sehen ihn die Menschen auf der Straße. Und das ist ein wichtiger Aspekt beim Lichterfest. Denn an den acht Tagen soll man bewusst hinausgehen und den Menschen noch mehr als sonst zeigen, dass man jüdisch ist.

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