Israels Geburtstag

Deutschland, blau-weiß

Impressionen vom Jom Haazmaut

12.05.2011

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Direkt vor dem kadewe in Berlin
Sonnenschein, blauer Himmel, 27 Grad. Blau-weiße Fahnen flattern leicht im Wind, Musik des israelischen Sängers Arkadi Duchin hallt herüber. »Das ist hier heute wie in Tel Aviv, fehlt nur noch der Strand und das Meer«, freut sich die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind. »Überall trifft man Freunde, viele Israelis, jede Menge Touristen. Das ist doch wunderbar«, lächelt sie und setzt ihren Rundgang auf dem Wittenbergplatz fort.

Rund 20 Stände sind hier neben dem Kaufhaus KaDeWe im Stadtteil Schöneberg aufgebaut. 30 »Freundschaftsorganisationen Israels« informieren über das Land und ihre verschiedenen Angebote – von Keren Hayesod bis zu Chabad Lubawitsch, vom Jüdischen Theater bis zum American Jewish Committee. Caterer Haim Hoffmann verkauft Falafel. Brenda Zobrys bietet mit ihren Kollegen vom Reisebüro Konstanzer Israel-Reisen an. Auf einer kleinen Bühne läuft ein Programm mit israelischen Tänzen und Liedern.

Anlass ist der 63. Jahrestag der Staatsgründung. Der Jom Haazmaut wird in zahlreichen deutschen Städten unter dem Motto »I like Israel« gefeiert. »Wir gratulieren Israel zum 63. Geburtstag und unterstützen mit dieser Veranstaltung den Jüdischen Nationalfonds KKL und dessen Projekt Wiederaufforstung des nördlichen Carmel, der durch einen verheerenden Waldbrand verwüstet wurde«, erklärt Jochen Feilcke. Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin hat die Organisation dieses Tages übernommen. »Wir wollen hier heute auch beweisen, dass Israel mehr zu bieten hat, als viele denken. Vor allem mehr, als nur Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn.«

Dennoch kann an einem solchen Tag die Politik nicht ausgeblendet werden. Der israelische Gesandte Emmanuel Nahshon erinnert an den von der Hamas entführten Soldaten Gilad Schalit. Der Diplomat erwähnt die Umbrüche in der arabischen Welt und dass man in Israel das Streben nach Frieden, »trotz der regionalen Schwierigkeiten«, nicht aufgeben werde. »Gemeinsam haben wir die Hoffnung«, fährt Nahshon fort, »dass Israels Zukunft von Erfolg und Wohlstand geprägt sein wird.«

Damit spricht er Peter Liebert aus dem Herzen. »Ich bin schon lange ein Freund Israels«, sagt er. Der 71-Jährige lebt seit zwei Jahren in Berlin, er reist regelmäßig in das Land. Und als ehemaliger Münchner hat er sich besonders gefreut, dass auf dem Israel-Tag auch die Brauerei Weihenstephan aus dem bayerischen Freising vertreten ist. Sie bietet koscheres Weizenbier an. »Wir haben den Stempel von einem New Yorker Rabbiner«, sagt Gebietsverkaufsleiter Olaf Baum. »Wir verkaufen dort über 5.000 Hektoliter, das meiste natürlich in Tel Aviv.« Für den Berliner Israel-Tag hat er 130 Liter gespendet. Sie werden verkauft, vom Erlös soll ein deutsch-israelischer Austausch von Gastronomie-Auszubildenden unterstützt werden: »Lechaim, ein Prosit auf Israels Geburtstag!« David Kauschke

Mit Literatur und Musik in Recklinghausen
»Die jüdische Gemeinde hat in Recklinghausen schon lange einen wichtigen Platz«, sagt Karl-Heinz Broß. Als Leiter des Instituts für internationale Kontakte und Integration, »Brücke«, ist er in die Organisation der Veranstaltungen rund um den Israel-Tag in der Ruhrgebietsstadt eingebunden. »Hier arbeiten wir eben gerne zusammen«, betont Broß. Zwar müsse man sich immer an der gerade herrschenden finanziellen Situation orientieren, »aber zum 60. Jahrestag der Staatsgründung haben wir zum Beispiel eine größere Veranstaltung auf die Beine gestellt«. In diesem Jahr hat man sich am Israel-Tag für das Motto »Kunst und Literatur« entschieden.

Am Montag wurde im Rahmen der Feierlichkeiten eine Ausstellung von Gerhard Tersteegens Acrylbildern mit dem Titel »Jerusalem-Impressionen« in den Räumen der »Brücke« eröffnet. Am Abend gedachten Gemeindemitglieder und Gäste in der Synagoge der Toten der Zahal sowie Opfern von Terroranschlägen. Am Dienstag lud die Volkshochschule am Nachmittag zu »Musik und Literatur aus Israel« ein. »Die Resonanz bei den Veranstaltungen ist natürlich unterschiedlich«, sagt Broß. »Aber die Informationen dazu werden immer breit gestreut und wir erreichen auch viele Menschen, die keinen jüdischen Hintergrund haben.«

Zum Bündnis gehören in diesem Jahr auch die Musikschule, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Israel-Stiftung. »Sie wurde schon vor langer Zeit durch einen Landrat ins Leben gerufen. Und wir alle arbeiten auch nicht nur am Israel-Tag zusammen. In Recklinghausen gibt es eine Vielzahl von Kooperationen«, erzählt Broß. Und dazu gehört auch die Jüdische Kultusgemeinde: Tanya Smolianitski referierte am Dienstagnachmittag über israelische Literatur. Das Vokalensemble der jüdischen Gemeinde und das Folkloreensemble der Städtischen Musikschule bestritten den musikalischen Teil des Israel-Tages. Zlatan Alihodzic

Im Herzen der Stadt Frankfurt
Man könnte fast glauben, die Frankfurter Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) hätte sich das passende Wetter zum Anlass bestellt. »Sogar der Himmel hat heute die israelischen Farben«, scherzt der Frankfurter Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU), ehe er die Bühne neben dem Gutenberg-Denkmal betritt. Es ist Mittag. Max Koscher Deli hat den Grill angeworfen. Über den Roßmarkt schlendern Banker, es riecht nach Falafel. Einige Passanten werfen verwunderte Blicke zum Denkmal. Zu Füßen des Erfinders des Buchdrucks flattern israelische Nationalfahnen im warmen Wind.

Den Geburtstag des israelischen Staates begeht man in Frankfurt traditionell öffentlich. Auf dem Roßmarkt haben sich Stände zu einer kleinen Wagenburg formiert. Der Jüdische Nationalfonds ist vor Ort, die TuS Makkabi, ein Reisebüro sowie die Medienkritiker von Honestly Concerned. Um kurz nach Zwölf eröffnet Becker das Fest. Er muss laut sprechen, um das fröhliche Kindergekreische, das von der Hüpfburg am Rande des Platzes herüberschallt, zu übertönen. Becker erinnert an die jüdische Tradition Frankfurts, an die Gründung des israelischen Staates, an Ben-Gurion und an die unzähligen Versuche, den Nahostkonflikt friedlich beizulegen. »Wer Israels Existenzrecht infrage stellt«, so Becker, »erklärt ihm intellektuell den Krieg.«

Die Besucher applaudieren, viele Prominente sind unter ihnen. Der Historiker Arno Lustiger hat auf einer Bierbank Platz genommen. Auch Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, ist da. Rund 2.000 Besucher erwarten die Veranstalter. Darunter auch einige unwillkommene, die sich am Rande des Platzes unter palästinensischer Flagge sammeln. »Eine typisch israelische Situation«, scherzt Claudia Korenke, Vorsitzender der Frankfurter DIG. Im Vorfeld hatten verschiedene palästinensische Organisation zu Protesten aufgerufen. »Doch wir wollen hier eine Atmosphäre zeigen, wie man sie auch in Tel Aviv findet«, sagt Korenke. Danijel Majic

Bäum us Kölle för Israel
»Um 11.00 Uhr hat es noch wie aus Eimern geschüttet, und alle wurden nass bis auf die Knochen. Aber jetzt, bei dem Wetter, ist es wunderbar«, sagt Ruth Schulhof-Walter, Organisatorin des von der Synagogen-Gemeinde Kölns veranstalteten Israel-Tages. Schon kurz nach Beginn der Feier um 16 Uhr sind bei schönstem Frühsommerwetter fast alle Plätze auf dem Rudolfplatz besetzt. An den Ständen gibt es Informationen, Essen und Getränke. Auf der Bühne direkt vor der Hahnentorburg treten Kölner und internationale Künstler auf, auch die Klesmerband Musikah ha-lev, der Kinderchor Kochavit und der Schalom-Chor.

Seit 2005 feierte die Gemeinde Köln den Israel-Tag und von Jahr zu Jahr kommen mehr Besucher auf den Platz. Zahlreiche Gruppen unterstützen als Mitorganisatoren die Gemeinde. Vom Bund jüdischer Jugendlicher und Studenten zu Köln (BjJSK) über die Junge Union und die Jusos Köln bis zum Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln – Tel Aviv-Yafo reicht die Liste der Freunde der Gemeinde.

Jedes Jahr steht der Tag unter einem ganz bestimmten Motto. »In diesem Jahr haben wir uns für das Motto ›Bäum us Kölle för Israel‹ entschieden«, erzählt Ori Osterer, Moderator des Tages. »Bei den verheerenden Waldbränden Ende vergangenen Jahres wurden fünf Millionen Bäume Opfer der Flammen.« Der Jüdische Nationalfonds bemüht sich seitdem, Israel bei der Wiederaufforstung zu unterstützen. Doch für Osterer geht es um mehr: »Während der Brände hielt die ganze Region zusammen. Israel wurde bei der Bekämpfung der Waldbrände von Ägypten, Jordanien und der Palästinensischen Autonomiebehörde unterstützt.«

Die Besucher wurden aufgefordert, ein symbolisches Blatt zu erwerben und an einen Jasminstrauch auf der Bühne anzubringen – als Zeichen für die Wiederaufforstung der durch die Brände besonders betroffenen Region um Haifa. »Wir wählen«, sagt Osterer, »fast immer ein unpolitisches Motto.« Und so gibt es auch Informationen über Israel als Hightech-Land und seine facettenreiche Kultur. Stefan Laurin

Hava Nagila auf dem Heine-Platz in Düsseldorf
»Wir lassen die Stadt in Blau erstrahlen«, lautet in Düsseldorf das Motto des diesjährigen Israel-Tags. Unter weiß-blauem Himmel hatten zahlreiche jüdische Organisationen Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Gäste, aber auch eher zufällig vorbeikommende Passanten eingeladen, um die Staatsgründung Israels gemeinsam zu feiern. Der in blau-weiß geschmückte Pavillon auf dem Heinrich-Heine-Platz erweist sich als perfekte Bühne für die kulturellen Darbietungen. An langen Tischen erleben die Zuhörer Musik von modernen Klesmer-Klängen bis zur ganz jungen Girlgroup mit Dana, Carina und Lisa, die mit dem Volkslied-Klassiker »Hava Nagila« viel Applaus ernten. An Ständen wird unter anderem über ökologische Projekte informiert.

Trotz seiner derzeitigen Verpflichtungen im Rahmen des Eurovison Song Contest lässt es sich Oberbürgermeister Dirk Elbers als Schirmherr nicht nehmen, bei dem Fest vorbeizusehen. Als Vertreter der Landespolitik ist Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg gekommen.

»Dieses Fest sehe ich als Symbol der Freundschaft, als Aufbruch in eine neue Welt ohne Krieg«, erklärt Michael Kogan, Rabbiner der jüdischen Gemeinde. »Wir haben uns gefreut, wie sehr wir uns als Jugend bei der Planung des Festes einbringen konnten«, sagt Liana Kotliar, ehemalige Leiterin des jüdischen Jugendzentrums in Düsseldorf. Selbst der Abistress um die Mathematik-Klausur hat die 19-Jährige nicht davon abhalten können, sich hier zu engagieren. Durch kräftiges Schwenken der israelischen Flagge bekundet Johannes Engelhardt seine Solidarität mit Israel. »Ich fühl’ mich sehr mit Israel verbunden, und lese viel in der Bibel, die ich als gemeinsame Basis für Juden und Christen begreife«, so der Vorsitzende des Fördervereins Brücke Düsseldorf-Haifa. Bernd Schuknecht

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